Heilstrom
ich gehe seit Anfang Juli oft barfuß raus. Erst auf abgelegenen Radwegen, dann durch eine Flussaue, dann zum Einkaufen und zuletzt mitten durch die Fußgängerzone. Seit zwei Wochen macht meine Frau auch mit. Ich vermute, dass ist wie eine Schocktherapie, weil ich immer Angst vor Ablehnung hatte. Wenn ich jetzt gegen die Konvention verstoße, dass man nicht barfuß darumlaufen soll außer an Badeorten und die Leute mich erst recht blöde ansehen und ablehnen, dann zieht mich das nicht runter, sondern macht mich irgendwie selbstbewusster. Erst gestern hat uns eine Tussi mit einem angewiderten Blick angesehen und ich konnte innerlich völlig souverän dastehen, weil es mir einfach schei. ist, was andere über mich denken und wie asozial das wirkt. Ich glaube, das heißt auch Konfrontationstherapie, oder? Naja, und Bekannte treffe ich ziemlich selten in dieser Stadt. Und wenn, wäre es mir auch egal.
Was mich richtig gefreut hat: Auf einer Messe hat uns ein Teilnehmer aus einem in Szene gesetzten keltischen Dorf angesprochen und zu einem Barfußlauf nächste Woche eingeladen. Er zieht seit 20 Jahren keine Schuhe mehr an, allerdings aus Allergiegründen.
Ich kann nur sagen: Ich fühle mich irgendwie unendlich frei. Meine Depression ist so gut wie nicht mehr vorhanden. Ich habe jetzt mit dem Ausschleichen von Citalopram angefangen: Streckung der 10 mg von 12 Stunden auf 18 Stunden. In ein paar Wochen dann 24 Stunden. Weil man die 10 mg ja nicht noch kleiner teilen kann, ohne ungenau zu werden.
Heilstrom
15.09.2011 19:12 • • 02.09.2012 #1