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Hallo Leute,

vor knapp 2 Jahren hatte ich eine Panikattacke im Urlaub und bin seitdem mit Agoraphobie konfrontiert. Nach der Attacke hatte ich ständig dieses Unwohlsein, teilweise auch Angst, Panik zuhause, Angst vor Dunkelheit, Panik in Restaurants oder in alltäglichen Situationen, die mich plötzlich überfluteten. Ich konnte keine 20 Minuten Autofahren – auch als Beifahrer – ohne ständig mit angstmachenden Gedanken konfrontiert zu sein. Was passiert mit meinem Herz? Wird es rasen? Werde ich eine Panikattacke bekommen? Diese Gedanken führten zu ständigen Erwartungsängsten und machten alles noch schwieriger.

Mittlerweile geht es mir verglichen mit damals deutlich besser, auch durch VT und Bücher, aber im Vergleich zu einem „normalen“ Leben fühle ich mich weiterhin eingeschränkt. In den letzten 8 Monaten habe ich durch viel Konfrontation mit dem Auto und dem Zug geschafft, meine Strecken immer weiter zu erweitern. Fahrten von bis zu 1-1,5 Stunden machen mir nun viel weniger aus. Städtebesuche, Wandern – all das ist innerhalb dieser Reichweite gut machbar, teilweise ist da (meist nur leichtere) Angst, aber ich versuche, diese zu akzeptieren und nicht gegen sie anzukämpfen. Es ist jedoch immer noch so, dass ich diese Dinge nur als Tagestrips mache und sehr froh bin, am Ende des Tages wieder zuhause zu sein und nicht übernachten zu müssen. Zuhause habe ich nur noch sehr selten Unwohlsein, und ich gehe sogar mal wieder in Kneipen, was vor einiger Zeit noch undenkbar war.

Dennoch merke ich, dass ich langsam an meine Grenzen stoße. Ich möchte gerne auch weiter Fortschritte machen, aber es geht nur sehr langsam voran. Die weiteste Fahrt, die ich bisher gemacht habe, war ein Tagestrip von 2:10 Stunden hinfahrt, und rückblickend war es echt gut. Aber trotzdem – diese ständige Erwartungsangst vor jeder längeren Reise ist einfach hart und es nervt mich. Es ist nicht so, dass ich diese Angst nicht kontrollieren kann, aber sie ist immer noch sehr präsent und macht mir viele Dinge schwerer. Immer diese Angst das doch Panikattacken kommen und man durchdreht oder stirbt/sein herz schädigt

Nun meine Frage: Sollte ich weiterhin so weitermachen und mich weiter konfrontieren oder macht es vielleicht doch Sinn, mich an einem Punkt auch medikamentös unterstützen zu lassen? Ich habe Opipramol und Tavor bekommen, beides auf Bedarf, aber ich habe mich bisher nicht getraut, sie zu nehmen. Ich frage mich, ob es vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung wäre, oder ob es besser ist, noch weiter ohne Medikamente an meiner Angst zu arbeiten.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie geht ihr mit dieser ständigen Angst und den Grenzen um? Hat jemand Medikamente genommen und wie war die Erfahrung damit? Ich würde mich sehr über Austausch und Tipps freuen!

Danke euch!

Heute 12:09 • 31.03.2025 #1


2 Antworten ↓


Meiner Meinung nach können Medikamente Angst nicht heilen, sondern nur vorübergehend unterdrücken.
Tavor sehe ich als Notfallmedikament, das ausschließlich in solchen Situationen eingesetzt werden sollte, z. B. bei extremer Panik oder wenn du etwas tun musst, aber noch nicht dazu in der Lage bist – etwa bei einer MRT-Untersuchung oder einer Zahnbehandlung.
Im Vergleich zu Tavor ist Opipramol eher harmlos.
Wenn du bisher keines von beiden gebraucht hast, würde ich es auch weiterhin vermeiden.

Du machst gute Fortschritte in deiner Therapie, also hab etwas Geduld. Ich hoffe, du machst auch regelmäßig Entspannungsübungen oder Ähnliches und achtest im Alltag auf dein Stresslevel.

Zitat von Ladash:
Nun meine Frage: Sollte ich weiterhin so weitermachen und mich weiter konfrontieren oder macht es vielleicht doch Sinn, mich an einem Punkt auch medikamentös unterstützen zu lassen?

Mein - natürlich völlig subjektiver Rat - dazu: mach auf jeden Fall so weiter und lass das mit den Medikamenten! Ein Medikament heilt nicht, sondern deckelt nur Symptome. Manche benötigen es, um überhaupt erst mal therapiefähig zu werden. Du bist aber therapiefähig und schon super weit gekommen! Das, was Du schon erreicht hast, ist durchaus beeindruckend und ich ziehe meinen Hut for Dir.

An diesem Punkt kommt uns dann oft unser anerzogener Leistungsgedanke in die Quere - und dass ist jetzt nicht speziell nur bei Dir, sondern das ist menschlich und würde jedem von uns passieren: Das muss doch schneller gehen! Jetzt übe ich schon so lange, und ich kann noch immer nicht XY. In diesem Moment machen wir uns wieder fertig, für die Dinge, die wir noch nicht können - wertschätzen aber nicht die Dinge, die wir schon wieder können.

Mein Therapeut pflegt dann immer zu sagen: Frau Krümel hat jetzt gerade das Seepferdchen gemacht und möchte damit gleich den Ärmelkanal durchschwimmen.

Alle diese Ängste kommen ja nicht von heute auf morgen und plötzlich, auch wenn es sich für uns so anfühlt. Wir rutschen über Jahre da stückchenweise rein. und genauso lang brauchen wir, um uns da wieder rauszuarbeiten.

Ich kann Dir nur Mut machen, auf Deinem Weg weiterzugehen und nicht die Geduld zu verlieren. Du machst das wirlich super, und Du wirst auch weiter Fortschritte machen. Mit Medikamenten riskierst Du ggf. starke Nebenwirkungen, die Dich wieder zurückwerfen können. Und das ist in Deinem Fall überhaupt nicht notwendig.




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Dr. Christina Wiesemann
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