App im Playstore
Pfeil rechts
39

Hallo zusammen,

ich würde mich sehr freuen, wenn mir Menschen mit selbstunsicherer bzw. ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstörung aufgrund ihrer eigenen Erfahrung helfen könnten, die Situation, in der ich mich befinde, besser einschätzen zu können.

Vor über 2 Jahren habe ich einen Mann getroffen, der mich vollkommen umgehauen hat - unter anderem aufgrund seiner Reflektiertheit und Bescheidenheit. Unser erster (persönlicher) Kontakt lief super, ich hatte das Gefühl, dass er mir ebenso zugetan war, wie ich ihm. Von da an war die (meist schriftliche) Kommunikation aber sehr schwierig. Er hat entweder gar nicht geantwortet oder sehr lange dafür gebraucht. Nach ein paar Wochen zeigte sich dann, dass an eine romantische Beziehung nicht zu denken war, weil er, und dann auch ich, vergeben waren. Er hat auch noch zwei Kinder (was er mir 5 Monate nach unserem Kennenlernen erst gesagt hat).

Ich habe mir seitdem große Mühe gegeben, die Beziehung auf einer platonischen Ebene weiterzuführen. Das wurde dadurch erschwert, dass er weiterhin sehr passiv war und mir fast nichts von seiner Freundin erzählt hat, was mich irritiert hat - inzwischen bin ich sicher, dass er ihr nie von mir erzählt hat und deshalb ein schlechtes Gewissen hatte. Doch jedes Mal, wenn es mir wieder so schlecht mit der Situation ging, dass ich bereit gewesen wäre, den Kontakt von mir aus abzubrechen, kam dann doch wieder eine Interessensbekundung seinerseits (immer nur auf Nachfrage). Davon abgesehen war der persönliche Kontakt (selten, da nur unter Arbeitsvorwand - wir haben dienstlich lose miteinander zu tun) weiterhin toll.

Eskaliert ist die Sache, als ich vor einem halben Jahr im Krankenhaus war, dort auch zeitweise in durchaus gefährlichem Zustand, und er sich kein einziges Mal nach mir erkundigt hat. Danach habe ich ihm eine recht konfrontative Nachricht geschrieben, unter anderem mit dem Vorwurf, er sei unfähig, Nähe herzustellen oder sich verletzlich zu machen. Seine Reaktion bestand in Schweigen. Mehrere Wochen danach habe ich ihm eine Mail geschrieben, die insgesamt versöhnlicher war, aber auch ein Abschied sein sollte, und in dem ich ihm auch relativ deutlich beschrieben habe, was er mir bedeutet (hat). Auch darauf kam keine Reaktion. Und da ich mit diesem (Nicht-)Abschluss dann doch nicht leben konnte, habe ich ihn irgendwann auf der Arbeit angerufen. Es war richtiggehend schmerzhaft, zu hören, wie er mit jedem Wort kämpft. Auf meine (ziemlich vorwurfsvolle) Frage, warum er nicht einfach sagt, dass er den Kontakt abbrechen will, sagte er, dass er den Kontakt nie habe abbrechen wollen. Er sagte, sein Problem sei vor allem, dass er Gedanken im Kopf habe, die er nicht aussprechen könne, weil jeder Satz in einem Seufzen endet. Es sei keine Frage der inneren Klarheit, sondern eher ein Übersetzungsproblem. Es war für mich in dem Moment alles sehr verwirrend.

Ich bin selbst Psychologin (keine Psychotherapeutin). Inzwischen habe ich eins und eins zusammengezählt und bin bei der Diagnose ängstlich-vermeidende PS angelangt. Einige Indizien zusätzlich zu dem, was ich beschrieben habe: Er schreibt mich nie mit Namen an und sagt ihn auch nicht, wenn es sich vermeiden lässt. Lange Zeit hatte er einen so unpersönlichen Sprachstil, dass ich manchmal nicht einmal verstanden habe, ob er von sich, von mir, oder von jemand anderem spricht. Vor allem hat er kaum je ich und du in demselben Satz verwendet. Er stellt mir kaum je persönliche Fragen, obwohl ich merke, dass er sich dafür interessiert, wenn ich von selbst Persönliches erzähle - und sich jedes Detail merkt. Er hat selbst am Anfang gesagt, dass er nicht weiß, ob der genug Selbstvertrauen hat, um mit mir mitzuhalten (natürlich nicht von sich aus, sondern im Rahmen eines emotional intensiven Gesprächs nach seinem ersten Ghosting). Manchmal liest er meine Whatsapp-Nachrichten tage- und wochenlang nicht, also öffnet den Chat gar nicht, obwohl er in dieser Zeit meist ungewöhnlich häufig online ist. Dass er schlecht mit negativem Feedback umgehen kann, hat er mir auch schon relativ früh geschrieben. Wenn ich andeute, dass bzw. inwiefern ich ihn für außergewöhnlich halte, empfindet er das als schmeichelnd und besorgniserregend gleichzeitig - er sagte mal, dass er ein Problem mit Lob hat, weil die Person es ihm dann auch wieder entziehen könnte. Ich glaube, er hat immer Angst, dass ich mit außergewöhnlich eigentlich komisch oder abnorm meine. Wenn die schwierige Themen zwischen uns in der Luft liegen, fängt er gerne an, stattdessen über die (gemeinsame) Arbeit zu sprechen. In den ersten Wochen unserer Bekanntschaft haben wir schriftlich eigentlich nur intellektuell gefaselt, also das Gespräch auf einer sachlichen Ebene gehalten - und das ging definitiv von ihm aus.

Ich habe nun eine ungefähre Vorstellung davon, wie er sich in der Interaktion mit mir fühlt, nämlich grundsätzlich ambivalent. Aber wie kann ich es ihm leichter machen? Jetzt, wo ich ihm schon so viele (durchaus gerechtfertigte, aber nicht unbedingt zielführende) Vorwürfe gemacht habe, wie komme ich dahin, dass er keine oder weniger Angst vor mir hat?

Zusätzlich erschwerend ist die Tatsache, dass er in einer monogamen Beziehung ist (ich inzwischen nicht mehr). Ich habe keine Ahnung, wie wichtig diese Beziehung ihm ist, unabhängig von den Kindern, die er auf jeden Fall sehr liebt. Ich habe das Gefühl, ich bin in einer Zwickmühle: Wenn ich ihm nicht ganz unmissverständlich klar mache, was er mir bedeutet, wird es mit seinen Ängsten und seinem Vermeidungsverhalten nicht besser, wenn ich aber entsprechend deutlich werde, bringe ich ihn in eine unangenehme (bzw. noch unangenehmere Lage), was seine Beziehung und eventuelle Treuevorstellungen angeht. Außerdem würde es vermutlich Druck ausüben.

Meine Frage an alle, die ähnliche Probleme haben, wie er: Was genau ist es, was ihr befürchtet und was euch in solchen Situationen davon abhält, Nachrichten zu lesen, zu beantworten, oder gar Teile eures Innenlebens zu offenbaren? Hat das Gegenüber irgendeine Chance, euch die Sicherheit zu vermitteln, die dazu nötig wäre? Ich habe in den letzten Wochen sehr viel Verständnis gezeigt (was mich einige Selbstbeherrschung kostet, weil ich mich natürlich auch erstmal zurückgesetzt fühle, wenn ich ignoriert werde). Trotzdem ist die Kommunikation weiterhin zäher, als sie je war. Wenn ich ihm zum Beispiel bei Whatsapp bei längeren Nachrichten ein Herz hinterhersenden würde, könnte ihm das signalisieren: Entwarnung, du kannst die Nachricht öffnen? Oder denkt er dann: Verdammt, schon wieder ein Annäherungsversuch, auf den ich irgendwie reagieren muss, und setzt ihn noch mehr unter Druck? Hängt das auch von der Farbe des Herzens ab?

Wir werden demnächst ein persönliches Gespräch führen. Und ich habe keine Ahnung, wie offen ich ihm sagen soll, dass ich sein Problem verstanden habe. Ich nehme an, dass es so ungefähr der schlimmste Albtraum eines Mannes mit ängstlich-vermeidender PS ist, von einer Frau auf seine Ängste angesprochen zu werden, und wenn man die Möglichkeit mit einbezieht, dass er in mich verliebt ist, ist es wahrscheinlich kaum zu ertragen. Aber wäre nicht alles andere unaufrichtig? Und wäre es nicht vielleicht möglich, einen gemeinsamen Umgang mit dem Problem zu finden?

Ich danke allen, die bis hierhin gelesen haben, und freue mich auf hilfreiches Feedback.

18.03.2025 10:25 • 18.03.2025 #1


29 Antworten ↓


Was genau ist denn bei dieser psrsönlichkeitsstörung? Ist das wie dozial phobie?
Komisch dass er mit der anderen dann zusammen sein kann?
Da scheint er das problem ja weniger zu haben….

A


Umgang mit Mann mit selbstunsicherer / ängstlich-verm PS

x 3


@Flam Die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung ist quasi der Extremfall der sozialen Phobie, wobei sie sich nicht so sehr im Leistungsbereich äußert (Klassiker der sozialen Phobie: Prüfungssituationen), sondern in der Regel ausschließlich im Bereich der sozialen Interaktion. Die Betroffenen fühlen sich sozial unfähig oder unattraktiv.

Wegen der Nähe zur sozialen Phobie fand ich das Thema hier noch am besten aufgehoben.

Und ja, es ist wohl so, dass Menschen mit ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstörung auch romantische Beziehungen eingehen, wenn sie das Gefühl haben, dass das Gegenüber sie wirklich will. Sie bleiben dann in der Regel auch in diesen Beziehungen, weil sie Angst haben, danach nie wieder jemanden zu finden. Das habe ich jedenfalls zu dem Thema gelesen.

Weisst du denn woher sich so ein extremfall entwickelt? Also zb vorher schlechte beziehubgen?
Wäre gut wenn du mehr über die frau wüsstest. Also was sie anders gemacht hat als du? Ist dein eindruck da ist viel gefühl?
Sieht er sich selbst als krank an?
Auch finde ich dass du genug gezeigt hast, dass du ihn wirklich willst?
Ich war mal verliebt in einen vergebenen mann. Dachte er trennt sich mal. Letzendlich hing ich nur in der Warteschleife. Weiss aber nicht, ob der auch psychische probleme hatte, da ich nicht aus dem bereich bin‍️️

Wieso kann er dann über berufliches ganz unbefangen sprechen wenn er ansonst kaum mit dur sprechen kann

@Flam Danke für deine Gedanken

Es ist nicht grundsätzlich so, dass er kaum mit mir sprechen kann. Das macht es für mich auch so verwirrend. Schwierig ist es, wenn (a) die Kommunikation schriftlich läuft, (b) von ihm irgendeine Initiative erwartet wird (Vorschlag, Präferenz äußern, sich selbst melden), (c) Probleme zwischen uns Thema sein sollen oder zumindest in der Luft liegen.

Aber ja, auf der beruflichen Ebene fühlt es sich anscheinend sicher.

Ich möchte eigentlich gar nicht zu viel über diese Frau wissen. Ich möchte nicht in die Situation kommen, dass ich mich mit ihr vergleiche. Ich weiß allerdings, dass die beiden seit dem Studium zusammen sind, seit über 10 Jahren. Das zweite Kind ist erst vor zwei Jahren gekommen. Dadurch, dass er sie kaum je erwähnt, habe ich nicht dass Gefühl, dass sie für ihn emotional die zentrale Rolle hat, die der Partner bestenfalls einnimmt, aber sie scheint sein ganzes Leben in praktischen Dingen stark zu bestimmen, einschließlich Terminkalender. Was aber wahrscheinlich normal ist, wenn man zwei Kinder zusammen hat.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er sich wirklich trennt. Ich bin mir nicht sicher, ob er sich von irgendwem trennen könnte. Das mit der Warteschleife passt aber insofern nur halb, als ich zwar immer wieder verunsichert war, aber eigentlich nie gewartet habe, dass er sich trennt. Im Gegenteil, ich wollte ihn ja trotzdem in meinem Leben und habe einiges versucht, um das Ding zu einer Freundschaft zu drehen ...

Kann er denn generell nicht über gefühle sprechen?
Es wäre ja möglich dass er damals bei dieser frau die ängste noch nicht so stark hatte.
Sodass die sich unter anderen vorzeichen getroffen haben.
Denkst du denn er hat Gefühle für dich trotz der frau?
Ich würde das mit der warteschleife auch nicht empfehlen!
Das hat mich kostbare Jahre gekostet und meinem Selbstwertgefühl geschadet.
Ich habe nach 4 jahren die reissleine gezogen damals.
Also gut, dass du es bei einer Freundschaft belässt. Ich frag mich nur ob das geht wenn gefühle von dir da sind

Zitat von Emma1991:
dass an eine romantische Beziehung nicht zu denken war, weil er, und dann auch ich, vergeben waren



Zitat von Emma1991:
hat auch noch zwei Kinder (was er mir 5 Monate nach unserem Kennenlernen erst gesagt hat).

Was möchtest du mit einem Mann, der Sachen verschweigt und erst nach 5 Monaten damit rauskommt?

Zitat von Emma1991:
und was euch in solchen Situationen davon abhält, Nachrichten zu lesen, zu beantworten, oder gar Teile eures Innenlebens zu offenbaren?

Er möchte nur eine Affäre.

Deswegen ist er so bedeckt.

Liest Deine WhatsApp Nachrichten erst, wenn er weiß, dass seine Frau nichts mitbekommt.


Zitat von Emma1991:
h kann mir auch nicht vorstellen, dass er sich wirklich trennt. Ich

Nö.

Dann hätte er schon lange getrennt gelebt. Und er kann Dich ja auch heimlich so nebenbei haben, was soll er sich trennen?

Es tut mir leid, dass ich das so direkt sage, aber der Typ hat keine ängstlich vermeidende Störung, er kann und möchte sich nicht, weil er Familie hat.

Du bist schon verliebt.

Nochmal: wenn jemand erst 5 Monate später zugibt, dass er Kinder hat, der lügt auch in ganz anderen Sachen.

Du bist schon verliebt; deswegen setzt Fu keine Grenzen.

Als einziges, was sehr scherzhaft ist, würde ich Dir raten, habe keinen Kontakt mehr zu ihm.
Je eher desto besser.

Er wird sich nicht trennen. Ich schreibe das nur so hart, weil ich weiß, dass er Dich nur verletzen würde

Zitat von Emma1991:
dass er weiterhin sehr passiv war und mir fast nichts von seiner Freundin erzählt hat, was mich irritiert hat

Weil er ihr gegenüber ein schlechtes Gewissen hat.

Hat er dir je gesagt dass er dich liebt?
Das er sich trennen will?
Seit Ihr jemals aus der friendshipzone raus gekommen und intim geworden?

Also um ehrlich zu sein sehe ich da kein vermeidendes Verhalten sondern eher das er

Zitat von Emma1991:
Zusätzlich erschwerend ist die Tatsache, dass er in einer monogamen Beziehung ist (ich inzwischen nicht mehr). Ich habe keine Ahnung, wie wichtig diese Beziehung ihm ist, unabhängig von den Kindern, die er auf jeden Fall sehr liebt.

Du bist über 30. Da

sollte Dir doch klar sein, dass er eventuell nur eine Affäre möchte (wenn ueberhaupt).

Für ihn ist es auch finanziell anders, im Falle der Trennung muss er, wenn die Kinder bei ihr bleiben, Unterhalt für 2 Kinder und evtl. der Frau zahlen.

Ein Mann der Interesse hat, der “jagt” und lässt nicht wochenlang Deine WhatsApp Nachrichten ungelesen.

Das er nicht will. Man könnte noch sagen er ist feige, dass er nicht klar sagt du interessierst mich nicht auf beziehungsebene aber das war es dann

Ich kenne eine wirklich sehr ähnliche Situation, und muss dir auch sagen, dass er wahrscheinlich kein Interesse an dir hat.
Man braucht ne Weile, um das einzusehen, aber irgendwann klappt es.

Zitat von Luce1:
Was möchtest du mit einem Mann, der Sachen verschweigt und erst nach 5 Monaten damit rauskommt? Er möchte nur eine Affäre. Deswegen ist er so ...

Ich kann mich Luce nur anschliessen
Er ist nicht Verliebt ihn dich
Er hat sich für die andere entschieden
Vergiss ihn

@Emma1991 für mich klingt es so, als hätte er etwas in dir ausgelöst, was für dich sehr besonders ist.
In der Realität scheint bei euch beiden wenig Basis zu sein, um das weiter zu leben.

Also davon abgesehen, dass er Familie hat, erkenne ich in dem Text auch nicht, dass er wirklich ernstes Interesse an dir hatte.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob an dem Verdacht mit der Persönlichkeitsstörung etwas dran ist.

Mir wurde die Diagnose gestellt und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass mir gerade schriftliche Kommunikation sehr viel leichter fällt als persönlichr Kontakt und Nachrichten lese ich zeitnah. Och hab auch kein Problem mit du ich oder Namen. Also das hat nichts mit der eventuellen Persönlichkeitsstörungzu tun.

Ehrlich gesagt, würde ich mich in der Beschreibung seines Verhaltens nur an vereinzelten Stellen wiederfinden. Das mit dem selten Antworten und so würde ich schon nicht machen, weil ich denken würd, dass ich damit negativ auffalle und das will ich ja nicht. Mit der Persönlichkeitsstörung neigt man ja eher dazu, es den anderen Recht machen zu wollen, nocht negativ auffallen zu wollen, usw.

Wenn ich ernstes Interesse an jemandem habe, dann neige ich eher dazu, immer mal was von meinen Gefühlen und Ängsten zu erzählen, um zu sehen, wie die andere Person reagiert, ob ich angenommen werde oder auf Ablehnung und Kritik treffe. Ich teste also das Verhalten, um Vertrauen aufzubauen.

Vielleicht kommuniziert er auch nur so selten, weil er merkt, dass du mehr möchtest und er nicht. Oder er ist halt in der Zwickmühle, weil er Familie hat.

Zitat von Tigerlilie:
Also davon abgesehen, dass er Familie hat, erkenne ich in dem Text auch nicht, dass er wirklich ernstes Interesse an dir hatte. Ich bin mir auch ...

Sag mal könntest du mit der Diagnose auch wen blockieren oder wäre dir das zu hart? P ich meine wenn der mann dich einfach nicht interessiert, dir aber stets freubdlich begegnet ohne dich irgendwie körperlich zu bedrängen….
Sponsor-Mitgliedschaft

@Emma1991 Erst einmal Herzlich Willkommen im Forum!

Du beschreibst da eine für dich sehr schwierige Situation, allerdings ergibt sich mir als dem Betrachter von außen ein ganz anderes Bild als du es zu haben scheinst. Du hast einiges preisgegeben und natürlich kenne ich eure Chats nicht im Detail, aber ich glaube das das Problem hier wo ganz anders liegt.

Erstmal: So wie du ihm nachläufst nach dieser Zeit, ihm sogar scheinbar jetzt gewissermaßen Liebesbekundungen schickst nachdem du weißt das er in einer Beziehung ist glaube ich, du bist in diesen Mann nicht verliebt, du bist ihm verfallen. Das zeigt sich an einigen Punkten: Du kommst nicht von ihm los, du drehst und wendest dich, du biegst deine Kommunikation nach seinen Bedürfnissen um... Kurz: Du hebst diesen Mann auf ein Podest und du guckst nach oben. Dadurch machst du ihn fast göttlich. Und genau dadurch baust du gleichzeitig eine Distanz zu ihm auf. Das hat er dir sogar wenn ich das richtig lese versucht zu vermitteln. Er kommt mit diesem Überschütten, diesem scheinbaren Lovebombing von dir nicht klar. Natürlich schmeichelt es ihm, welchem Mann würde das nicht gefallen wenn sich eine Frau so für ihn interessiert? Aber er traut diesem Frieden nicht. Du scheinst zu sehr starken Emotionen fähig zu sein- und wahrscheinlich denkt er das das nicht nur im positiven Sinne so ist, sondern das das eben auch umschlagen kann. Letztlich können uns die Personen die wir am meisten lieben auch am meisten verletzen.

Zudem schreibst du, du hast erkannt das eine Liebesbeziehung nicht möglich ist. Aber genau die scheinst du ja anzustreben. Warum? Wenn du das doch schon erkannt hast, wieso läufst du ihm weiter nach? Was gibt dir der Kontakt zu ihm der ja scheinbar eher mäßig und zähflüssig ist? Ist es vielleicht sogar genau das was dich daran catcht, das er sich so unnahbar und unerreichbar gibt das du denkst Boah, den muss ich unbedingt haben, quasi der Wunsch nach der verbotenen Frucht?

Allein die Tatsache das du nachfragen musst was du für ihn bist und was du ihm bedeutest, er dir das quasi nie von selbst sagt zeigt schon das da irgendwas verkehrt läuft. Was gibts denn schöneres als der Person die man mag, schätzt und die einem lieb und teuer ist genau das zu sagen?

Ich glaube, ihr seid da in einem sehr ungesunden Miteinander. Du schreibst ihm mehrmals und kriegst keine Antwort, auch nicht auf deine Verabschiedung... und dann rufst du ihn an weil du damit nicht abschließen kannst. Was hättest du denn deinen Klienten in diesem Fall geraten? Das sie das genau so machen sollen? Ich verstehe das ein Abschließen dann ungleich schwerer ist, aber dieses Nachrennen ist doch- tut mir leid wenn ich das so sagen muss- toxisch, vor allem dir selbst gegenüber. Dieser Mann lässt dich in der Luft hängen, von selbst kommt da ja scheinbar nichts und er hebt die Kommunikation stetig auf eine professionelle Ebene, aber geht nur wenn du ihn dazu nötigst in die persönliche oder gar gefühlsbetonte Kommunikation... Das passt also auf ganz vielen Ebenen nicht und das solltest du einsehen und da einen klaren Cut machen. Es wird das beste für euch beide sein, vor allem aber für dich, denn dir macht diese Konstellation doch sicher auch zu schaffen.

Ich hoffe, du findest meinen Text nicht zu hart.

PS: Ich habe selbst eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung als Diagnose. So wie er habe ich mich aber nie verhalten, daher glaube ich, da steckt etwas ganz anderes dahinter.

@Tigerlilie Danke für deine Einschätzung!

Tatsächlich gehört die extreme soziale Gehemmtheit zu den zentralen Symptomen bei der ängstlich-vermeidenden PS. Also schon per Definition. Im Internet habe ich außerdem sehr viele Erfahrungsberichte von Menschen gefunden, die Angst haben, Nachrichten zu öffnen oder darauf zu antworten. Sie beschreiben alle, dass das mit sozialen Ängsten zu tun hat. Es kann aber natürlich trotzdem große Unterschiede zwischen verschiedenen Personen mit derselben Diagnose geben.

Der, von dem ich spreche, will es definitiv allen recht machen und hat Angst, negativ aufzufallen, genau wie du es beschreibst. Deshalb war sein Kommunikationsverhalten für mich auch lange Zeit ein Rätsel.

Das mit der möglichen Zwickmühle habe ich einmal direkt angesprochen, da hat er es geleugnet. Seitdem habe ich es ein paarmal angedeutet, das ignoriert er, so gut er kann.

@Korval
Danke für deine Gedanken! Ich glaube, an dem Punkt mit dem Auf-ein-Podest-Heben könnte tatsächlich etwas dran sein. An der verbotenen Frucht weniger, denn das kam erst sehr spät überhaupt raus.

Darf ich noch einmal nachfragen: Du sagst, du hast selbst die Diagnose ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung, hast dich aber nie so oder ähnlich verhalten wie der Mensch in meiner Schilderung. Hast du denn Probleme in der Kommunikation? Wenn ja, äußern die sich schriftlich anders als persönlich?

A


x 4


Pfeil rechts




Dr. Reinhard Pichler
App im Playstore