Ich habe eine Weile nachgedacht ob und wie ich mein Problem am besten beschreibe. Ich habe unter anderem eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung, Sozialphobie und PTBS. Alles hier genannte spielt im folgenden Thema wahrscheinlich eine Rolle und greift ineinander. Auch wenn ich einen Großteil meiner Problematiken mittlerweile relativ gut kompensiert bekomme, an einigen Stellen hakt es noch gewaltig und es schränkt mich meiner Meinung nach sehr ein.
Das Problem bezieht sich auf Gespräche jeglicher Art, mit mir angenehmen sowie unangenehmen Personen. Die Körpersymtome sind dabei immer gleich: Unerträgliche Hitzewallung, Probleme Augenkontakt zu halten, trockener Mund, Gefühl eines Kloßes im Hals und teilweise unruhiges Hände- und Beinezittern, hinzu kommt teilweise Stottern und eine Art Gedächtnisverlust. Letzteres bedeutet, ich kann die Themen über die gesprochen wurde zwar noch benennen, aber ich weiß teilweise nicht mehr was derjenige darüber gesagt hat, Details sind einfach nicht mehr abrufbar. Bei Leuten die mir unangenehm sind ist mir das ja noch großteils egal wenn ich mich nicht mehr daran erinnere, bei Leuten die mir angenehm sind aber selbstverständlich nicht da das eine Unaufmerksamkeit oder Desinteresse impliziert. Unaufmerksam bin ich vielleicht tatsächlich weil mein Kopf in diesem Moment mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist, aber keinesfalls desinteressiert. Einen Unterschied stelle ich dabei aber in den Gedanken fest die ich habe wenn ich mit solchen Personen spreche. Ich versuche das mal anhand zweier Beispiele zu erläutern:
Beispiel mit angenehmer Person:
Ich war mit meinem Sohn auf dem Spielplatz. Es waren auch Kindergartenfreunde meines Sohnes dort und einer der Väter von ihnen kam auf mich zu und setzte sich zu mir auf die Bank. Wir sprachen von der Arbeit, über die Kinder, über bevorstehende Einschulung und unsere Hobbys. Es war sogesehen ein für mich angenehmes Gespräch, ich spürte aber diese Anspannung weil ich das Gefühl hatte eine Erwartungshaltung seinerseits erfüllen zu müssen. Er wollte mit mir sprechen und kam auf mich zu, heißt, ich musste in dem Moment mit ihm reden. Das er das wollte war mir auch nicht unangenehm, aber ich initiiere gern selbst Gespräche, eben wenn ich sogesehen dazu bereit bin. Ich brauch dafür einen guten Tag und freien Kopf, aber das wissen ja die Leute nicht. Körperliche Symptome habe ich genannt, auf die hat er mich aber nicht angesprochen (entweder nicht bemerkt oder er hat drüber hinweg gesehen, er ist ansich eine lockere Person der ich zutraue das sie Menschen nicht auf ihre Schwächen reduziert und sowas dann einfach ignoriert).
Meine Gedanken bei der Situation waren folgende:
Ich möchte gern mit ihm reden, aber ich habe Sorge das meine Stimme versagt.
Ich möchte gern soviel wie möglich vom Gespräch für mich mitnehmen und mir merken.
Ich möchte nicht das er meine Angespanntheit als Unlust am Gespräch und Kontakt wahrnimmt und auf sich bezieht.
Die Angespanntheit begann in dem Moment spürbar als er sich sogesehen mit mir zum Gespräch vernetzt hat, ich also merkte, er möchte jetzt etwas von mir und sich unterhalten.
Beispiel mit unangenehmer Person:
Ich saß alleine im Park auf einer Bank und las ein Buch. Plötzlich setzte sich eine Person ohne mich vorher anzusprechen neben sich und ich merkte das sie mich ansah. Sie meinte: Wir kennen uns doch, oder? Du bist doch XY! Ich habe dann gemerkt das es ein ehemaliger Mitpatient gewesen ist den ich bei einem meiner Klinikaufenthalte kennengelernt habe. Damals waren wir soweit okay miteinander, wir haben ab und an miteinander gesprochen und haben uns verstanden. Mein Bauchgefühl hat aber angeschlagen und gesagt: Irgendwas stimmt nicht, sei mal vorsichtig bei dem. Er hatte ein B. in der Hand, trank immer wieder relativ hastig und in schnellen Stücken. Er sprach sehr leise und schnell sodass ich kaum ein Wort verstand, ich merkte aber das er der Welt gegenüber wahnsinnig negativ eingestellt ist. Er sprach von Aggressionsproblemen die er hat, das er Gegenstände kaputtmacht und ihm angeraten wird das er wieder eine stationäre Therapie beginnen soll, er aber keine Lust darauf hat weil er meint, er komme damit alleine klar- *beep* und trinken würden ihn gut runterbringen. Er quatschte mich also voll und ich hatte in diesem Moment folgende Gedanken:
Ich will nicht mit ihm reden. Wie ziehe ich mich jetzt am besten aus dieser Situation zurück?
Er sagt, er hat Aggressionsprobleme. Irgendwie habe ich die Befürchtung das irgendetwas was ich sage ihn so triggern könnte das er seine Beherrschung verliert.
Vielleicht ist er ein guter Mensch und wirklich nicht gefährlich, ich will ihm kein Unrecht tun und doch kann ich gegen mein Bauchgefühl nicht angehen. Das betrübt mich.
Wie erwähnt, die körperlichen Symptome sind gleich, aber die Gedanken sind andere und doch finde ich beide in ähnlicher Weise erdrückend, jeweils auf andere Art. Sie überfordern mich und ich bin- sowohl bei angenehmen als auch unangenehmen Leuten- froh wenn ich da raus bin.
Wie kann ich mein Mindset so drehen das ich vielleicht auch Einfluss auf meine körperlichen Symptome nehmen kann um sie runterzudrücken? Warum ist das so das mir selbst angenehme Personen so negative Symptome auslösen? Was kann ich gegen diesen Gedächtnisverlust unternehmen und wie kann ich einem Gespräch das ich gut finde zugewandter sein um die Information besser verarbeiten zu können?
Ich danke schonmal sehr für euer Feedback!
Heute 10:56 • • 04.04.2025 #1