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Hallo liebe Forenmitglieder,

ich bin - unter anderem - Ängstler und setze seit dem 24.12.2024 Escitalopram ab. Ich nehme aber noch Mirtazapin.Nun hat mich leider das bekannte SSRI-Absetzsyndrom erwischt und zwar genau wo es weh tut; im Muskelbereich. Ich hole hier ein wenig aus, auch dass, wenn andere Betroffene diesen Beitrag finden, sie sich vielleicht selbst erkennen können und etwas beruhigter sind. Meine aktuelle Angst und der Grund, warum ich mich hier angemeldet habe, steht ganz am Ende des Beitrags.

Dazu muss man wissen, dass ich, wie wohl viele von uns Ängstlern, 3 große Angstkrankheiten habe: Schlaganfall, Herzinfarkt und ALS - man sieht, worauf es hinausläuft.

Bereits während der Einnahme von Escitalopram, hatte ich Zitteranfälle. Beispielsweise hat ein Objekt, das ich zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten habe, zu starkem Zittern der Hand geführt (natürlich ging der Zustand rasch wieder vorüber) und wann anders war es dann der Griff, wenn man sich Kopfhörer aufsetzen möchte, etc.

Im Lauf der Behandlung traten dann noch stärkere Zuckungen, besonders im Ruhezustand bei psychischem Stress, auf. Ein Zucken fährt durch das Bein. Durch den Arm. Durch den Körper. Als dies dann zur Regel wurde, habe ich das Medikament abgesetzt und bin von 5mg auf 0. (Meine Ärztin meinte, ich kann ruhig experimentieren - also mal am Morgen 5, am Abend 5. dann nur am Morgen 5 oder auch mal gar nichts. dass dies alles theoretisch die Symptome ausgelöst haben könnte, weiß ich erst seit meiner Recherche der letzten Wochen.)

Jedenfalls gingen die starken Muskelzuckungen nahezu sofort vorüber und wurden durch kleine ersetzt. Hier vibriert und pocht das Bein. Da zuckt's ein paar Mal neben dem Knie (sichtbar) und ich. ich google. Dass ich mit dem Suchergebnis ALS begrüßt wurde, ist hier wohl jedem klar. Okay, eine lange Panikattacke später, dann ran an die Materie. Ich habe gelesen, die KI befragt, war auf offiziellen ALS-Seiten und habe mich informiert.

Meine Symptome, wenn ein Leidensgenosse einmal diesen Beitrag liest, waren insgesamt folgende:

- Schwindel (gelegentlich/wiederkehrend)
- Kopfschmerzen, leicht (gelegentlich/wiederkehrend)
- Übelkeit (gelegentlich/wiederkehrend)
(diese 3 Symptome auch gerne mal nacheinander oder gleichzeitig)

- Muskelzuckungen im schnellen Wechsel; vor allem im Ruhezustand beim Liegen auf der Couch - allerdings nicht Abends im Bett (kurz im Bein, dann am Arm, dann in der Hand. mal mehrfach hintereinander aber meist einzeln) ( über Tage/wiederkehrend)
- Gefühl von Taubheit/Lähmung in Armen/Händen und/oder Füßen/Beinen (ohne dass tatsächlich etwas gelähmt war, es fühlte sich falsch an - verschoben(?)) (über Tage/wiederkehrend)
- starke Panikattacken von langer Dauer (meist über 20 Minuten bis hin zu mehreren (2-3) Stunden) (in den ersten 2 Wochen und seitdem sehr selten vereinzelt)
- Missempfindungen (Kleidung fühlt sich seltsam auf der Haut an) (über Tage/wiederkehrend)
- das Gefühl, die Beine würden vibrieren; beim ruhigen Sitzen und Liegen (über Tage/wiederkehrend)
- Schwäche in den Gliedern; wechselnd zwischen Arme, Hände oder auch Beine (über Tage/wiederkehrend)
- Nachtschweiß (selten)
- starkes Gefühl der Aufregung (wiederkehrend)



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Das waren und sind in etwa meine Symptome, die mal kommen, mal gehen. ich hoffe, es hilft so mancher Seele, die ähnliches durchleben muss.
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Hier nun mein aktuelles Problem und der Urheber meines angstvollen Abends oder nun ja schon Nacht:




Seit nun aber etwas über einer Woche, also am Ende der 3. über die 4. und hinein in die 5. Woche nach dem Absetzen, habe ich nun vor allem mit den Muskeln der Füße und Beine zu kämpfen. Erst fühlte sich der linke Fuß schräg an - beim Aufsetzen. Dann ging's auch beim Rechten los, hielt aber nur kurz, dann waren beide Beine müde und schwer, wobei Sport ging. Seit gestern nun aber nagt etwas an mir, was vor einer Stunde dann zur Panik geführt hat: gestern hat am rechten Fuß, unter dem Knöchel, im Ruhezustand (Bein war hochgeschlagen) ein kleiner Muskel vibriert. Ich dachte erst, es sei eine Vene, aber es war deutlich sicht- und spürbar, ging im Lauf des Tages dann aber wieder weg. Puh. Am Abend dann hatte ich das Gefühl von kleinen Zuckungen in meinen Beinen und Füßen, immer im Wechsel und nur bei Ruhe, beim Einschlafen war dann aber wieder nichts. Heute das selbe Spiel, nur kam es am Abend nicht nur wieder, es hat Freunde mitgebracht. Es zucken gleichzeitig Muskeln unter dem Knöchel, seitlich des Fußes, am anderen Fuß und generell an den Beinen. Teilweise auch am Arm, das gute alte Augenlid, etc.
Dieses Gefühl ist widerlich; wummernd und pulsierend. Bei Ruhe stärker aber nun auch bereits im Sitzen, während ich diese Zeilen schreibe. es sind wieder meist nur einzelne Zuckungen, manche aber eben auch mehrfach hintereinander und der blöde rechte Knöchel ständig wiederkehrend. Mein Problem ist nun, dass ich aktuell nicht mehr zur Ruhe kommen kann, da mir das ehrlich gesagt große Angst macht. Kennt das jemand, dass mehrere Muskeln gleichzeitig zucken/vibrieren? Angeblich tritt das nur bei schweren Krankheiten auf, wobei das Symptom Muskelzucken ja nie so genau definiert ist (wie lange, wie oft, welcher Rhythmus, ein Muskel - oder mehrere?) . . .
Ich wäre sehr beruhigt, wenn das jemand so kennt. (Vorzugsweise Personen ohne ALS)

Im Gegensatz zu vielen Forenthemen die ich gelesen habe, werde ich dieses hier auch aktualisieren und abschließen - Cliffhanger bei solchen Themen sind nämlich besch. eiden.

Vielen Dank, gute Nacht und ich melde mich dann demnächst, beziehungsweise aktualisiere die Liste.

Der Angsthase

25.01.2025 00:22 • 17.02.2025 #1


9 Antworten ↓


Vetstehe ich es richtig: du hast am 24.12 angefangen abzusetzen und bist schon fertig?
Hast du dich nicht vorher damit auseinander gesetzt wie man ausschleicht?

Wenn man zu schnell oder gar von jetzt auf gleich absetzt, geht das in den seltensten Fällen gut.

A


Absetzsyndrom Escitalopram - Nervensystem/Muskeln

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Zitat von Pauline333:
Vetstehe ich es richtig: du hast am 24.12 angefangen abzusetzen und bist schon fertig? Hast du dich nicht vorher damit auseinander gesetzt wie man ...

Hallo Pauline,

meine Psychiaterin meinte ja ich kann experimentieren und schauen, welche Dosis ich am besten vertrage. Auch dass ich das Medikament einfach weglasse, war angeblich kein Problem. Ich hatte bei unseren Treffen (Abstand knapp 3 Monate) ja auch gesagt: Ich habe es mit 10mg am Morgen, am Abend, probiert. Dann mit 5mg - dann habe ich's mal weggelassen und jetzt 5mg am Morgen und 10 am Abend. (So in etwa...) Das wurde dann auch so abgenickt - ich solle ja etwas herumprobieren...

Ich bin dann natürlich nicht davon ausgegangen, dass es ein Problem sein könnte, von 5mg auf dauerhafte 0 zu gehen.

Offensichtlich ja wohl schon. ️



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Anmerkung zu meinem Ursprungspost: Mein Mirtazapin hat dieses Zucken von gestern Abend/Nacht dann deutlich reduziert. 30 Minuten nach Einnahme war es besser, nach 60 dann so gut wie verschwunden und ich konnte in Ruhe schlafen.
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Schönen Samstag und Grüße

Zitat von DerAngsthase:
Hallo Pauline, meine Psychiaterin meinte ja ich kann experimentieren und schauen, welche Dosis ich am besten vertrage. Auch dass ich das ...

Ok, interessant.
Mit Psychopharmaka sollte man nie hin und her springen in der Dosis. Das sind Medikamente, die Wochen bis Monate brauchem, um sich aufzubauen.

Ja, das ist natürlich richtig. Letztlich ist es einfach traurig, dass man sich nicht einmal mehr auf eine Ärztin verlassen kann, von der man dachte sie sei sehr gut. In Zukunft werde ich alles vor der Einnahme nachschlagen und im Zweifel dann die Einnahme verweigern; wobei ich mit Antidepressiva eh durch bin. Mirtazapin zum Schlafen und das war's. Ich vertrage das alles einfach nur schlecht und geholfen hat es auch nie. Naja...

Nächste Woche bin ich bei einer neuen Psychiaterin (bisherige hat aufgehört), bin schon gespannt, was das für eine ist.

Euch noch 'nen schönen Tag!

Zitat von DerAngsthase:
Ja, das ist natürlich richtig. Letztlich ist es einfach traurig, dass man sich nicht einmal mehr auf eine Ärztin verlassen kann, von der man dachte sie sei sehr gut. In Zukunft werde ich alles vor der Einnahme nachschlagen und im Zweifel dann die Einnahme verweigern; wobei ich mit Antidepressiva eh durch bin. ...


So, ein kleines Update (und ganz unten eine kurze Frage an eventuelle Leidensgenossen) wie versprochen.

Die letzten Tage waren erst recht gut und ich hatte gute 2 Tage sehr wenige zuckende Muskeln, über lange Strecken gar keine und auch die restlichen Absetzsymptome waren verschwunden.

Seit vorgestern nun aber leider wieder mehr, diesmal nicht mehr so gehäuft am rechten Fuß, sondern an der Oberseite der linken Hand. Sichtbar und deutlich spürbar - unschön. Am restlichen Körper ist auch immer wieder was los, aber gut... das hält sich in Grenzen. Ansonsten kamen auch wieder Anflüge von Schwindel, leichte (kurze) Übelkeit und generelles Gefühl von Zittrigkeit und innerer Unruhe auf. Interessant ist auch, dass das Herumgezucke im Lauf des Tages immer schlimmer wird. Morgens nichts. Mittag etwas. Nachmittags und Abends sehr gehäuft. Außerdem treten noch Empfindlichkeiten - Gefühl kleiner Stromschläge- bei Reizung der Gelenke an der Hand (manche Finger/Fingergelenke) durch Kälte (kaltes Wasser oder kühles Metall, etc.) auf. Dieses Symptom kenne ich aber bereits auch von während der Behandlung und kann jetzt nicht zu 100% sagen, dass das zum Absetzsyndrom gehört.

Meine neue Ärztin meinte nichts weiter zur Symptomatik, nur dass das schon sein kann und manchmal einfach dauert. Ja, okay, also scheinbar nichts Besonderes. Wenn jetzt nichts gravierendes oder besonderes mehr kommt, schreibe ich dann irgendwann noch einen Abschluss und ergänze alles im Anfangspost.

Frage: Diese Brain-Zaps müssen nicht immer vom Kopf ausgehen oder? Mittlerweile fühlen sich die meisten Zuckungen nämlich wie kleine Stromschläge an. Ob das jetzt besser ist als pulsieren, kann jeder für sich selbst entscheiden.

Eine gute Zeit euch und bis demnächst

So, kurzes Update.

Heute ist der zweite Tag mit kaum Symptomen. Gestern erst gegen Abend leichte Zuckungen gehabt, heute noch gar nicht.

Schwindel und Kopfschmerz teils noch vorhanden. Übelkeit ebenso. Schlafprobleme noch stark ausgeprägt! (Meist erst zwischen 2-3 Uhr)

Aber es wird, denke ich

Ich reduziere nach langer Einnahme von Escitalopram. Von 10 mg auf 7,5 mg war kein Problem. 2 Wochen später von 7,5 mg auf 5 mg und das war nicht gut.

Ich bin richtig krank geworden (Grippeähnliche Symptome), Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall, emotional instabil, Gelenkschmerzen.

Bin dann nach 5 Tagen auf 6 mg hoch, auch nicht wirklich besser. Nach 4 Tagen auf 7 mg. Fast alle Symptome schlagartig verschwunden.

Hab mit meiner Psychiaterin telefoniert und sie hat geschimpft, dass ich nicht einfach so von 7,5 mg auf 5 mg hätte gehen sollen.

Ich soll jetzt auf 7 mg bleiben und in 2 oder 3 Monaten auf 5 mg.

Ich wünsche dir weiterhin gutes Gelingen!

@Greta__

Gutes Gelingen weiterhin. Hätte man mich vernünftig aufgeklärt, dass das so ein Theater wird mit dem Absetzen hätte ich's gar nicht erst genommen

Und gleich noch ein kurzes Update hinterher, wie ich hoffe der Abschluss für dieses Thema.

Es hat insgesamt knapp über 6 Wochen gedauert bis nahezu alle Absetzsymptome verschwunden waren. Was jetzt noch ist, sind selten vereinzelte Zuckungen, leicht gesteigerte Angst (was aber denke ich eher am Wegfall des Medikaments liegt) und Probleme Abends zur Ruhe zu finden und einzuschlafen bzw. überhaupt müde zu werden.

An schlechten Tagen zuckts mal mehr, Muskeln sind permanent auf Spannung - aber ja, da weiß ich auch nicht, ob das nicht eher durch den Wegfall bedingt ist.

Ich habe zum Ende hin (Mitte Woche 5) mit Vitamin D in der Höhe 2000 i.E. angefangen - der maximal empfohlenen Tagesdosis, da ich gelesen hatte, dass Vitamin D unter Umständen an der Serotoninbildung beteiligt ist. Da Winter ist, herrscht aber ja sowieso ein Mangel, deshalb die Entscheidung das zu probieren. Es ging dann direkt bergauf, ob das nun an den Tabletten, dem ohnehin zum Ende gehenden Absetzen oder einem Placeboeffekt geschuldet war, vermag ich nicht zu beurteilen; ich wollt's der Vollständigkeit halber nur erwähnen.

Sollten noch merkwürdige Effekte auftreten, werde ich's hier vermerken, ansonsten ist das Kapitel für mich (hoffentlich) erledigt.

Allen Leutchen die da aktuell durchmüssen: Viel Erfolg! Macht euch nicht verrückt!

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Dr. med. Andreas Schöpf
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