Also erstmal finde ich nichts schlimm oder krank daran, wenn man versucht, seine Probleme, sein Leben selbst in den Griff zu bekommen...mit den Ratschlägen und Tipps und wirklich liebevoll gemeinter Fürsorge von Außen und auch mit psychologischer Behandlung ist das ja nicht getan - derjenige muss ja letztlich der/diejenige sein, der das was er da hört und lernt und erfährt für sich alleine umsetzt und aktiv lebt. Weißt Du was ich meine?
Dein Freund ist ja nicht doof, der weiß sehr gut wie´s ihm geht und dass es ihm schlecht geht, vermutlich auch warum und weshalb und genauso ist ihm klar was und wie er dagegen tun könnte/sollte müßte - er hat das größte Problem damit sein eigenes Wissen und seine eigenen Tipps und Einsichten aktiv in seinem Leben umzusetzen...
Ich kann mir auch vorstellen, dass das genau der Grund ist, warum er das alles lieber nicht erzählt...weil er dann - außer sich selbst - auch noch die Leute am Hals hat, denen er es erzählt hat weil:
1. können die ihm vermutlich nichts über IHN erzählen, was er nicht selbst weiß
2. er sich selbst schon eine Trillion Gedanken gemacht hat,
3. die anderen - gerade weil sie ihn gerne haben, gerade weil sie wollen dass es ihm besser geht, gerade weil sie meinen sie könnten mit Zuhören und Ratschlägen helfen - damit auch Druck auf ihn ausüben. Nicht mit Absicht, nicht massiv aber stetig und immer - denn denen ist genauso klar wie ihm selbst, dass ER aktiv werden muss...
Es gibt Leute, die brauchen diesen Druck von Außen, weil der für sie selbst eine Motivation ist - genauso gibt es Leute, denen ist völlig gleichgültig was irgendwer von ihnen erwartet, aber es gibt auch sehr viele Leute - und dazu gehöre ich auch - die mit normalem Druck und der eigenen Erwartungshaltung an sich selbst schon mehr als genug zu tun haben...das ist nicht böse gemeint aber guck mal, wie Du reagierst? DU willst jetzt von IHM dass ER sich Hilfe sucht, dass ER sich und seine Probleme in einem Forum diskutiert und dass er...weißt Du was ich meine? Ich weiß dass Du das nicht beabsichtigst und anscheinend bist Du wirklich besorgt... über sich und seine Probleme zu reden hat also nur bewirkt, dass Du jetzt von ihm eine Handlung erwartest/erhoffst/erwünschst...und dass Du ihn verläßt...
Und natürlich frustriert es Dich auch, dass er immer noch nix tut...manchen Leuten verschafft es Erleichterung und die fühlen sich besser, wenn sie Jemandem von sich und ihren Problemen erzählen können....aber eben nicht Jedem - das ist keine Krankheit oder Störung, das ist auch kein mangelndes Selbstbewußtsein, das ist ganz oft ne ganz rationale Entscheidung, die aus Erfahrung mit sich selbst entsteht:
Ich weiß was mir fehlt, ich weiß dass ich mich aufraffen und motivieren muss, ich weiß dass meine Freunde und Psychologen mir das sagen,raten werden, was ich mir selbst täglich sage und rate - also warum sollte ich ihnen davon erzählen und sie auch noch damit belasten - ganz besonders weil ich schon seit Ewigkeiten darauf warte, dass ich die Kraft und den Willen aufbringe die Sache endlich aktiv anzugehen.
Das ist nun mal leider so...gerade bei seelischen und psychischen Geschichten...die meisten Leute, die freiwillig in eine Klinik oder zu einem Therapeuten gehen, gehen da nur hin weil sie selbst absolut am Ende sind, nicht weil ihnen irgendjemand dazu geraten hat...oder weil sie irgendwem einen Gefallen tun wollen, weil der sich so sorgt...ich verstehe, dass das furchtbar schwer zu akzeptieren ist, aber geh bitte immer davon aus, dass Du Deinem Freund nichts über sich und seinen Problemen erzählen kannst, dass da keine Hilfsmöglichkeit ist, dass er nicht selbst schon lange weiß, die er nicht selbst schon mal überdacht hat.
Geh mal einfach in eine normale Notaufnahme...wieviele Leute sind da mit akkuten unerträglichen Schmerzen und Beschwerden, die schon vor Monaten oder Jahren bemerkt haben, dass da irgendwas nicht stimmt...ist das verrückt und selbstzerstörerisch und unglaublich dumm? Natürlich...aber so sind wir nun mal.
12.10.2007 15:45 •
#7