Zitat von Peter61:Meine Therapeutin sagte, ich solle, wenn die depressive Phase anfängt, was schönes machen was mir Freude macht. Versuche ich auch, aber es mildert im Moment nur die Symptome, die Depressive Phase kommt aber dann trotzdem voll durch ...
Das ist leider bedingt normal bei depressiven Erkrankungen. Es geht hierbei nicht darum, dass es dir nach einer positiven Aktivität direkt nachhaltig besser geht, es geht vielmehr darum, deiner Psyche eine Pause von der depressiven Stimmung zu geben. Außerdem sammelst du positive Erfahrungen, und auch, wenn jede einzelne Erfahrung für sich genommen nicht nachhaltig wirkt, hilft es deiner Psyche dabei, zu erkennen, dass es im Leben nicht nur Traurigkeit und Schmerz gibt. Und diese Erkenntnis kann über einen Langzeiteffekt dazu führen, deine Perspektive in positivere Bahnen zu lenken. Der Fokus liegt dann nicht mehr ausschließlich auf dem Negativen, und das hilft, die Depression in Schach zu halten. Bei Menschen in schwergradigen depressiven Episoden ist es manchmal gar nicht mehr möglich, positive Dinge überhaupt zu registrieren. Darum ist es wichtig, das Wahrnehmen von positiven Aspekten zu trainieren. Dadurch kann sich die Depression langfristig abmildern und du verhinderst, dass du in schwerer depressive Episoden abrutscht.
Es kann helfen, solche positiven Ereignisse auch irgendwie zu visualisieren. Manche Leute schreiben ein positiv-Tagebuch, andere Leute schreiben sich kleine Notizen, die sie sich irgendwo hinkleben, ...
Es gibt auch eine Übung, wo du dir morgens 5 Erbsen in eine Hosentasche steckst. Bei jedem positiven Ereignis (das kann auch etwas ganz Kleines sein) wird eine Erbse in die andere Hosentasche gesteckt. Und wenn dann abends zumindest wenigstens eine Erbse in der anderen Hosentasche gelandet ist, kann der Tag zumindest keine volle Katastrophe gewesen sein (so der Gedanke dahinter), auch wenn das aktuelle Gefühl dir etwas anderes erzählen möchte.
Was die ADs angeht, habe ich persönlich auch gute Erfahrungen gemacht. Oft wird ein AD verschrieben, welches im Körper einen Spiegel aufbaut, diese muss man dann regelmäßig einnehmen, zumindest über einen bestimmten Zeitraum. Man kann sich auch ergänzend ein Bedarfs-Medikament verschreiben lassen, dass man dann zusätzlich nehmen kann, wenn es nötig ist. Diese sind dann wirklich nur für den Bedarf, sie wirken direkt, ohne dass sie einen Spiegel aufbauen müssen.
Leichtere ADs können vom Hausarzt verschrieben werden, schwere Medikamente auch, aber da möchte der Hausarzt oftmals eine Erstverordnung von einem Psychiater sehen, bevor dann Folgerezepte ausgestellt werden können (so zumindest meine Erfahrung). Aber bei den Standard-ADs ist es meistens kein Problem, die direkt vom Hausarzt zu bekommen.
Gerade in der Klinik habe ich es oft erlebt, dass Patienten zwei Spiegel-Medikamente verschrieben bekommen haben, eines für morgens, eines für abends, die sich dann in ihrer Wirkung ergänzt und unterstütz haben, so konnte die Dosierung der einzelnen Medikamente dann geringer gehalten werden, wodurch dann auch die Nebenwirkungen geringer waren, obwohl es 2 Medikamente waren.
So hat man es dort zumindest erklärt und praktiziert, und viele Patienten sind damit gut gefahren.
Natürlich kann es trotzdem sein, dass man ein Medikament nicht verträgt, aber inzwischen gibt es ja eine recht große Auswahl an Wirkstoffen.
Ich halte ADs für eine sinnvolle Unterstützung. Diese sind natürlich nicht jedermanns Sache, es geht natürlich auch ohne, aber zumindest auf einen Versuch würde ich es vielleicht ankommen lassen, zumindest für die schwierigen Monate.
Die Einschleich-Phase kann manchmal etwas unangenehm sein, da man zu Beginn oft erst die Nebenwirkungen spürt, bevor dann die Wirkung einsetzt und die Nebenwirkungen aufhören oder deutlich nachlassen, aber das ist oft nach ca. 2 Wochen überstanden (so zumindest meine Erfahrung).