Für mich lautet der Weg: Akzeptanz. Radikale Akzeptanz, wie es in der Psychologie oft so schön heißt.
Akzeptiere, dass es die perfekte Partnerin nicht gibt und niemals geben wird. Dass egal, mit wem Du zusammen wärst, Du immer irgendwann Zweifel bekommen würdest und das Zweifeln wieder von vorne anfangen würde, eben weil es den perfekten Partner nicht gibt und außerdem Dein Grundproblem viel eher in Dir selber und in Deiner Einstellung zu Dir selber verortet liegt und viel weniger im Außen und bei Deiner Partnerin. Ich denke/könnte mir vorstellen, dass Du Deine eigenen Unsicherheiten auf Deine Partnerin projizierst (so habe ich es zumindest bei ganz enorm vielen Mitpatienten im Verlauf des therapeutischen Prozesses erlebt).
Akzeptiere, dass Du lernen musst, dass es weder Perfektion noch das genaue Gegenteil davon gibt, weder bei Dir selber, noch bei anderen Menschen, und dass es völlig ok ist, dass es so ist.
Verabschiede Dich von diesem schwarz-weiß-Denken, dieses dichotome Denken führt zu nichts.
Selbst wenn Du meinst, irgendwann die perfekte Partnerin gefunden zu haben, wirst Du irgendwann feststellen, dass auch die nicht perfekt ist, und Du wirst wieder anfangen, zu zweifeln, Dich erneut nach anderen Frauen umsehen und Dich erneut fragen Was, wenn diese andere Frau nun aber die richtige Frau für mich ist?.
Das wird nie ein Ende Ende haben. Denn die Lösung des Problems liegt in Dir, ist in Deiner Psyche zu finden, nicht im Außen und bei Deiner Partnerin.
Denn die Partnerin ist bei Dir nicht das eigentliche Problem. Du versuchst, ein Problem, das nur scheinbar im Außen liegt, nur scheinbar bei anderen Menschen lokalisiert ist, im Außen zu lösen, welches Du aber nur in Dir selber, im Innen, lösen kannst.
Fang' bei Dir an. Akzeptiere zunächst Deine eigenen Unzulänglichkeiten, Deine eigenen Fehler. Arbeite an Deinem eigenen Selbstwert, denn oftmals ist dieses starke den-Partner-bewerten-und-kritisieren nur eine Projektionsfläche für Deine eigenen Unsicherheiten. Den Partner als niedrig zu erleben dient oft der Stabilisierung des eigenen, oftmals schwach ausgebildeten Selbstwerts.
Wenn Du mit Dir selber ins Reine kommst, Deine eigene Imperfektion annehmen lernst, wird es Dir auch leichter fallen, eine Partnerin mit all ihren Imperfektionen zu akzeptieren.
Überwinde die Illusion, dass Du die perfekte Partnerin finden wirst und dass bereits die Suche danach Ausdruck eines innerpsychischen Problems mit Deinem eigenen Selbstwert ist. Akzeptiere und mache Deinen Frieden damit, dass kein Mensch perfekt ist und dass, egal, wie lange Du suchst, Du niemals langfristig zufrieden in einer Partnerschaft sein wirst, solange Du Deine eigenen Probleme nicht gelöst haben wirst.
Fang' bei Dir an. Überwinde Deine alten Glaubenssätze, setze Dich mit Deiner Erkrankung auseinander und arbeite an Dir. Richte den Blick mehr auf Dich und Deine Probleme als auf die Unzulänglichkeiten Deiner Partnerin.
Imperfektion ist integraler Teil des Lebens. Je eher Du das akzeptierst, umso schneller wirst Du aufhören können, nach dieser Illusion zu streben. Wenn Du lernst, Deine eigene Imperfektion anzunehmen und Dich dafür nicht zu verurteilen, wirst Du auch lernen können, Deine Partnerin als ein ganzes Wesen, mit all ihren Vorzügen und ihren Fehlern, annehmen zu können.
Und dann auch einen viel klareren Blick darauf werfen zu können, wie es mit Eurer Liebe zueinander bestellt ist.
Lass' Dich nicht von den Wartelisten der Psychologen abschrecken (auch hier: Lass' ab von Deinem Wunsch nach idealer Versorgung (sprich: möglichst schnell bei einem möglichst guten Psychologen), denn die Realität ist: Auf Psychotherapieplätze muss man warten. Auch hier wirst Du also auf ein Übungsfeld treffen, an Dir selber zu arbeiten und mit dieser Situation einen Umgang zu finden. Und vielleicht ist der erste Psychologe auch noch nicht der richtige, dann muss man ggf. weitersuchen, bis man den gefunden hat, mit dem man arbeiten kann. Auch hier gilt: Du wirst auch nicht den perfekten Psychologen finden, das sind auch alles Menschen mit Fehlern. Auch wirst Du lernen zu müssen, zu akzeptieren, dass auch der in Deinen Augen vielleicht beste Psychologe auch seine Schwächen haben wird. Auch hier: Betrachte all diese Dinge als Übungsfelder für Deine Problematik.
Und: Ein Jahr geht manchmal schneller vorbei als man denkt, und oftmals ergeben sich auch schneller Plätze bei Psychologen, wichtig ist, auf Wartelisten zu stehen. Und falls es während der Wartezeit zu problematisch wird, gibt es auch noch viele andere Möglichkeiten, die Wartezeit zu überbrücken.
Wenn Du es wirklich willst, wirst Du lernen können, dass Fehler und Makel zum Menschsein dazugehören, und dass es oftmals erst unsere Fehler und Schwächen sind, die uns zu dem machen, was wir sind. Und Du wirst aufhören können, Deinen Blick mehr auf die Vorzüge der menschen richten zu können. Deine eigenen Vorzüge mehr zu sehen als Deine Schwächen, die Vorzüge Deiner Partnerin mehr zu sehen als ihre Schwächen.
Lerne, Dich selber anzunehmen, die Imperfektion der Natur des Menschen zu akzeptieren, bei Dir selber, aber auch bei Deiner Partnerin.
Fang' zuerst an, Deine psychischen Baustellen anzugehen, richte den Blick mehr auf Deine Schwachstellen und Deine Problemfelder, und Du wirst erkennen, dass vielmehr Deine Einstellung zu Dir selber das Problem ist, das Dich nicht zu Ruhe kommen lässt, und es die Beziehung zu Dir selber ist, mit der Du zuerst ins Reine kommen solltest.
LG Silver
25.09.2022 19:00 •
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