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Hallo zusammen,
Ich bin neu hier als Schreiberling, lese aber oft mit, aktuell immer öfter. Ein Leben lang begleiten mich Ängste (oft vor Krankheiten und um geliebte Angehörige) und Panikattacken. Trotz allem konnte ich bisher recht gut damit umgehen.
Aktuell nimmt das ganze im Moment eine Dimension an, mit der ich sehr schlecht klar komme. .vielleicht finde ich ja hier den ein oder anderen guten Tipp, um sich zu reflektieren und neu positiv zu denken.

Meine aktuelle Situation: Ich bin selbständig und habe große Verantwortung für viele Angestellte. Mir macht das viel Spaß und ich arbeite trotz der Angststörung sehr gern und zuverlässig. Ich arbeite eben viel zuviel und finde nie den Punkt, wann Schluss sein sollte. Dann bremst mich der Körper aus. Ich habe mal wieder einige Wochen durchgearbeitet und bin dann in den Urlaub gefahren. Dort angekommen, ging die Panik los und die Nächte waren unerträglich. Mich überkam immer eine gefühlte Welle mit Angst und Panik, der Körper fühlte sich so fest an,dass der Blutdruck immer sehr hoch ging. Hinzu kamen anstrengende Muskelzuckungen, die mich jede Nacht aus dem Schlaf holten. Sie waren gefühlt so stark, dass ich dachte, ich hätte meinen Mann geboxt. Er versicherte mir aber, dass er das Gefühl hatte, ich schlafe fest und ruhig. Also war dieser mehrfache körperliche Ruck immer nur innerlich, aber so unangenehm, dass ich morgens dachte, ich hätte mit einem Bären gekämpft.

Aus dem Urlaub zurück, nahm ich Kontakt zum Hausarzt auf. Alles nur psychisch heißt es. Das glaube ich natürlich auch, aber diese Ausmaße mittlerweile, machen mir Angst vor der Angst! Ich wollte Abends nicht zum Schlafengehen, aus Panik vor diesen Inneren Rucks. Dann entwickelte mein Kopf Kopfkino! Das kann ich sehr gut!

Aber diesmal wollte ich endlich ruhiger treten und achtsamer werden.
Ich vereinbarte einen 1. Termin zur Hypnosetherapie. Endlich möchte ich damit ganz bewusst etwas für mich verbessern. Ich arbeite weniger, höre am Abend Meditationen und heilende Musikfrequenzen, in denen ich entspannt einschlafe. Ich nehme Vit. B12 und Magnesium und trinke bewusster mehr Wasser. Durch das viele arbeiten, vergass ich oft das Trinken.

Doch über den Tag fühle ich mich einfach nicht gut. Ich fühle mich beim Bewegen, als ob ich unter Spannung an einem Gummiband laufe und plötzlich jemand das Band schnipsen lässt. Ich erschrecke mich in den eigenen Bewegungen, da diese sich so anders anfühlen, so ungewohnt sind. Oder ich beisse mich öfter als sonst in die Zunge bzw. in Ruhe kommen auch wieder Muskelzuckungen. Innerlich bin ich so unruhig und immer wieder ist die Angst da, obwohl ich so an einer Entspannung arbeite.

Aktuell redet mir mein Kopf neurologische Erkrankungen ein und die Symptome werden gleich akuter. Ich bekomme keine guten Gedanken auf die Kette und die Angst ist nur noch präsent. Ich komme nicht zur Ruhe.
Ich schreibe mit dem Stift und erschrecke mich, dass es gefühlt! im Arm kurz schnipst. So geht es mittlerweile 2 Wochen.

Mein Hausarzt hat mir ein Muskelrelaxanz verordnet, von dem ich zwar schlafen kann, aber welches nichts an der Symptomatik ändert.

Meine Therapeutin (Hypnose) sagte mir, dass die Situation für den Körper neu und deshalb erst einmal unangenehm ist. Ich solle mir Zeit geben, da ich über Jahre an einer extremen Muskelverspannung gearbeitet hätte, die nun in kurzer Zeit nicht verschwinden kann. Ich war Nachts sogar so verspannt, dass meine Zunge am Oberkiefer schmerzhaft festklebte, als ich am Morgen erwachte. Meine Hände waren zur Faust geballt und z.T. eingeschlafen. (bevor ich mit der Hypnose und der Meditation begann)

Ist mein Empfinden (das Gefühl mit dem Gummiband und den schnipsenden Bewegungen) nun eher ein Zeichen weiterer Anspannung oder hat es was mit ungewohnter Entspannung für die Muskulatur zu tun?
Ich hoffe und bete so sehr, dass meine Angst vor neurologischen Erkrankungen völlig unbegründet ist. Die Angst hat mich wieder einmal völlig im Griff.

Vielleicht gibt es hier ja jemanden, der das Gefühl mit den Bewegungen am schnipsenden Gummiband auch kennt und mir empfehlen kann, was dagegen geholfen hat.

Herzliche Grüße in die Runde und danke schön

Gestern 16:02 • 02.04.2025 #1


5 Antworten ↓


@suse-ju

Ich habe das leider seit 6 Wochen in der linken Hand und im Fuß habe schon einige Untersuchungen hinter mir jedoch weiß ich nach wie vor nicht woher es kommt ist das ur komische Gefühl und ich habe Mega Verspannungen im Nacken und Schulterbereich .
Ich habe am Donnerstag nochmal Orthopäde falls ich was erfahre gebe ich dir Bescheid.

A


Panik, Verspannung & der Weg zur Entspannung

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@suse-ju

Hey, erstmal danke für deinen ehrlichen, sehr reflektierten Beitrag. Du beschreibst deine Situation sehr eindrücklich und vor allem realistisch – man merkt, dass du dir Gedanken machst, dich hinterfragst und nicht einfach blind in Panik versinkst. Und trotzdem hängst du gerade fest – und zwar ziemlich.

Zitat von suse-ju:
Situation: Ich bin selbständig und habe große Verantwortung für viele Angestellte.


Das ist direkt der erste Satz – und auch einer der wichtigsten. Du bist es gewöhnt, Leistung zu bringen, Verantwortung zu tragen, zu funktionieren. Dein System steht unter Dauerstrom, und zwar nicht seit zwei Wochen, sondern seit Jahren. Wer sich dauerhaft überlastet, gewöhnt sich an einen erhöhten inneren Druck, der irgendwann nicht mehr kompensierbar ist. Und dann reagiert der Körper. Ganz automatisch.

Zitat von suse-ju:
Ich erschrecke mich in den eigenen Bewegungen, da diese sich so anders anfühlen,


Das ist ein klassisches Zeichen eines überreizten Nervensystems. Das Gehirn steht dauerhaft auf Empfang – der Sympathikus ist aktiv (also der Teil des Nervensystems, der für Kampf-oder-Flucht zuständig ist) und scannt permanent nach “Gefahr”. Dadurch fühlt sich jede minimale Wahrnehmung wie ein Warnsignal an. Die Folge: Körperliche Symptome. Muskelzuckungen, innere Rucks, sensorische Überreaktionen.

Zitat von suse-ju:
Mein Hausarzt hat mir ein Muskelrelaxanz verordnet, von dem ich zwar schlafen kann, aber welches nichts an der Symptomatik ändert.


Natürlich nicht. Denn die Verspannung ist nicht muskulär gesteuert, sondern zentralnervös. Und ein Muskelrelaxans kann zwar den Tonus beeinflussen, aber nicht die Software, die das Ganze steuert – nämlich deine Wahrnehmung, deine Bewertung, deine Ängste.

Zitat von suse-ju:
Meine Therapeutin (Hypnose) sagte mir, dass die Situation für den Körper neu und deshalb erst einmal unangenehm ist.


Ja, exakt. Wenn du über Jahre unter Hochspannung warst, dann fühlt sich selbst Entspannung am Anfang falsch an – sogar gefährlich. Weil der Körper verlernt hat, dass Ruhe erlaubt ist. Du gehst aus einem jahrzehntelangen Kriegszustand in Richtung Frieden, und das Nervensystem schreit: “Achtung! Was ist das? Gefahr?”

Zum „Gummiband“-Gefühl:
Das ist tatsächlich ein häufig beschriebenes Symptom bei Menschen mit stark überdrehtem autonomen Nervensystem. Es ist eine Mischung aus somatoformer Dysregulation (also körperlich spürbare Symptome ohne organische Ursache) und psychomotorischer Entladung. Dein Körper will sich entspannen – aber das autonome Nervensystem lässt noch nicht ganz los. Deshalb kommt es zu diesen ruckartigen, „schnipsenden“ Empfindungen, als würde Energie aus dem System schießen, ohne dass du es steuerst. Du hast das selbst sehr treffend beschrieben – das sind innere Entladungen. Und ja: Sie sind harmlos. Aber sie fühlen sich eben nicht so an.

Was du brauchst, ist nicht noch mehr Googeln nach neurologischen Erkrankungen (denn du weißt selbst, das ist Rückversicherung), sondern Konsequenz in der Regeneration. Nicht punktuell. Sondern dauerhaft. Und das ist schwer. Vor allem für Menschen wie dich, die funktionieren gelernt haben, nicht fühlen.

Was kannst du konkret tun?
1. Ernster mit der Entspannung arbeiten – nicht nur passiv Musik hören, sondern aktiv deinen Fokus trainieren. Z. B. über somatische Achtsamkeit (Fokus auf körperliches Spüren OHNE Bewertung).
2. Rückfallakzeptanz – dein Körper braucht Zeit. Und Symptome bedeuten nicht, dass du versagst oder rückfällig wirst. Sie sind Zeichen der Regulation.
3. Vertrauensaufbau statt Kontrolle – hör auf, alles deuten zu wollen. Du wirst so niemals zur Ruhe kommen. Je mehr du kontrollierst, desto lauter wird der Körper.

Und noch was:
Wenn du dich im Schreiben erschreckst, weil der Arm „schnipst“, dann sagt das mehr über deine innere Alarmbereitschaft als über deine Muskulatur. Dein Nervensystem ist gerade hypersensitiv – wie eine Alarmanlage, die bei jeder Fliege losgeht.

Fazit:
Was du spürst, ist keine neurologische Erkrankung. Es ist die Konsequenz eines überlasteten Systems, das gerade nach Jahrzehnten der Anspannung beginnt, zu regulieren. Ja, das fühlt sich unangenehm, manchmal sogar „verrückt“ an. Aber es ist der einzige Weg raus.

Du gehst ihn schon – auch wenn’s gerade noch hakt.
Dranbleiben. Kein Google. Kein Rumgetaste. Kein „Was wäre wenn…“.
Nur eins nach dem anderen. Und zwar täglich.

Wenn du willst, kannst du mich jederzeit mitnehmen auf deinem Weg. Aber du musst ihn selbst gehen.
Und du kannst das. Das steht zwischen den Zeilen deines Textes ziemlich deutlich.

@WayOut Guten Morgen,
Ich danke Dir von ganzem Herzen für Deine aufbauenden Worte! Ich kann nicht ausdrücken, wie sehr!
Bevor ich Deinen Beitrag las, hatte ich eine sehr anstrendende Nacht, voller Anspannung, Angst und Rucks......Obwohl ich doch so vieles intensiver, anders und achtsamer mache.

Heute morgen habe ich mich erst einmal bei meinem Körper bedankt, dass er all die Jahre funktioniert hat und meinen Leistungsdruck mitgemacht hat.
Danach bin ich so in den Tag gestartet:



Es tat unglaublich gut.

Ich habe sehr das Meditieren für mich entdeckt. Nun muss ich lernen, ANDERS in mich hinein zu hören... OHNE Angst und OHNE Suche nach Erklärungen. Da hast Du völlig recht. Ein sehr weiter Weg, den ich aber unbedingt gehen möchte. FÜR MICH!
Mir ist bewusst, dass mein altes Verhaltensmuster noch lange präsent sein wird. Aber ich habe es so satt, ein Leben lang von Panik und Angst getriggert zu sein.Ich möchte es anpacken.

Deiner Erklärungen klangen für mich sehr einleuchtend. Ein ungewohntes Gefühl (eine Art von Gefahr-Empfinden) für mein Unterbewusstsein,wenn durch Hypnose ein Reseting statt findet.Ich möchte es aushalten und vor allem DURCHHALTEN. Auch wenn man immer mal zurück geworfen wird.

Sehr gern möchte ich weiter mit Dir in Kontakt bleiben. Herzlichst Danke schön

Hey @suse-ju ,

ich kenne das selbst nur zu gut was du beschreibst, nur ohne die Selbstständigkeit.
Ich bin von Kind auf dazu erzogen worden, mich zusammen zu reißen und mich nicht so anzustellen und das hängt mir bis heute in einer absolut unnormalen Härte mit mir selbst nach.

Selbst zu beginn meiner Angststörung und noch viele Jahre danach hab ich einfach nur immer versucht, das irgendwie weg zu kriegen.
Erst jetzt so langsam, 4 Jahre nach Beginn meiner Angststörung, verstehe ich WIRKLICH, warum sie da ist und was sie mir sagen will.

Geleitete Meditation hilft mir persönlich recht wenig, wenn dann eher Stille Meditation, wo ich mich selbst immer wieder zu meinem Atem zurück hole wenn die Gedanken abschweifen. Anfangs mehr als kompliziert, wird aber leichter.

Ein weiterer Gamechanger war Yin Yoga. Bin ich aber nur auf Zufall drauf gestoßen nachdem ich alle möglichen Yoga Varianten durch getestet habe und alles als nervig und anstrengend empfunden habe.

Aber das wichtigste für mich ist aktuell, Sanftheit mit mir selbst zu lernen und das ist absolut nicht einfach.

@WayOut Danke schön, dass Du Deine eigenen Erfahrungen weitergibst. Das ist eine große Bereicherung.




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