hallo,
ich möchte noch etwas zu den viel besagten Diagnosen schreiben:
Es gibt in meinem Verständnis ganz klar übergeordnet 2 Gruppen. Dabei ist die eine Gruppe eine Gefahr für sich und ihre Umwelt. Die andere Gruppe ist eher eine mit der Umwelt überforderte Gruppe. Die erstere Gruppe gehört ausschliesslich in psychiatrische erfahrene Hände und sollte auch keine Möglichkeiten einer Selbstbehandlung erhalten.
Die zweite Gruppe, die mit den Reizüberflutungen... die keine Gefahr für sich und ihre Umwelt darstellen, ist die weit aus größere Gruppe. Dieser Gruppe gehöre ich und viele andere hier an. Wir möchten gerne, daß uns sachkundige psychiatrische Hände wieder zurück in die Normalität leiten, aber wir unterliegen einem Irrtum. Wir sind nicht wirklich psychiatrisch krank, wir sind nur unvermögen, bestimmte Situationen ohne Körperüberreaktion zu ertragen. Ich sage mir auch, es berührt mich zuviel im Herz und in der Seele, ohne dass ich Stimmen höre oder Herzrythmusstörungen bekomme. Ich reagiere einfach mit flight and fight, wenn es mir zu viel wird. Die Welt lebt schneller heute, als noch in meiner Kindheit.
Meine Zeit aber läuft noch normal. Ich fühle mich auch durch die Zeitumstellerei darin immer noch beeinträchtigt. Sich 6 Monate des Jahres in einer falschen Zeit zurecht zu finden, muß einfach krank machen. Mir grault es vor der Sommerzeit, weil sie nicht meine Zeit ist. Jeden Tag habe ich das Gefühl, daß ich mir hinerher laufen muß. Wie das Kaninchen bei Alice im Wunderland: keine Zeit keine Zeit-ist es wirklich schon so weit. DAS GEHT JEDEN TAG Mich machen Dinge wütend, von denen ich weiß, daß ich sie nicht ändern kann, mich machen Dinge aggressiv, von denen ich denke, daß andere doch so blöd nicht sein können, mir treibt es Tränen in die Augen, wenn ich ansehen muß, daß Menschen andere Menschen nicht achten und mit Füssen treten, mit Fäusten oder Waffen vernichten....es tut meinem Herz und meiner Seele weh. Leider aber kann ich nicht aussteigen-es ist ja mein Beruf.
Ich kann mich nicht vor meinem Leben verstecken, in keiner Klinik und in keiner Therapie und auch nicht hinter den Ärzten. Ich will mich auch nicht verstecken...ich gehe jeden Tag hinaus und komme mit einem Arbeitstag von 12-14 Stunden nicht zu recht. An manchen Tagen möchte ich Schreien, bis mir die Stimme für alle Zeit versagt. An ganz wenigen Tagen schweige ich und lasse Musik am Klavier sprechen. Letztere sind meine glücklichen Momente und meine Selbstbehandlung.
Diagnosen?? Die zweite Gruppe braucht keine Diagnosen, sie braucht nur ein normales Leben und menschliche Aufgaben.
Liebe Grüsse
22.01.2011 19:09 •
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