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Da ich selber mal dazu gehört habe hier aber tatsächlich täglich das selbe Muster von Angst lese, wollte ich hier mal kurz meine Gedanken und Erfahrungen zusammen fassen:

DISCLAIMER:

Länger anhaltende oder neu auftretende Symptome sollten selbstverständlich einmalig ärztlich abgeklärt werden, um körperliche Ursachen auszuschließen. Dieser Beitrag richtet sich an diejenigen, die trotz unauffälliger Befunde weiterhin in Angst, Grübeleien oder psychosomatischen Beschwerden feststecken.

Hier geht es darum, Lösungen zusammenzutragen – nicht um individuelle Problemstellungen oder akute Probleme. Bitte kommentiert daher nur Strategien oder Tipps, die anderen helfen können, statt persönliche Fragen zu stellen. Nutzt dazu bitte eigene Beiträge. Ziel ist es, einen klaren Leitfaden zu bieten, um aus dem Teufelskreis von Angst und Grübelei auszubrechen.


Weiterhin: Es sind MEINE Erfahrungen. Wenn jemand andere gemacht hat, darf er sie gerne wo anders mitteilen. Aber der Übersicht halber bitte ich hier von Diskussionen abzusehen. Sonst wird es unleserlich.

Viele Menschen geraten in eine Gedankenspirale, wenn es um ihre Gesundheit, ihre Beziehungen oder andere existenzielle Themen geht. Sie analysieren, hinterfragen, googeln, suchen nach Worst-Case-Szenarien – und landen am Ende immer wieder an genau dem Punkt, an dem sie angefangen haben: mit Angst und Unsicherheit.

Wenn du dich in dieser Beschreibung wiedererkennst, dann ist es Zeit für eine ehrliche Erkenntnis: Das Problem bist nicht „mögliche schlimme Krankheiten“, nicht „ob deine Beziehung hält“, nicht „ob du eine unerkannte Gefahr übersiehst“. Das Problem ist, dass du dein Gehirn darauf trainiert hast, immer wieder in Panik zu verfallen.

1. Dein Gehirn ist neuroplastisch – und du trainierst es falsch

Neuroplastizität bedeutet, dass dein Gehirn lernt, was du ihm beibringst. Je öfter du Angst ernst nimmst, desto besser wird dein Kopf darin, Angst zu erzeugen. Dein Nervensystem lernt: „Jedes Unwohlsein könnte gefährlich sein!“, „Jede emotionale Distanz in der Beziehung ist ein Warnsignal!“, „Wenn ich nicht alles kontrolliere, passiert etwas Schlimmes!“

Die Folge? Du durchlebst denselben Stress immer und immer wieder – völlig unabhängig von den Fakten.

Die Lösung:
• Hör auf, nach Gefahren zu suchen. Dein Körper und deine Psyche brauchen nicht 24/7 Monitoring.
• Unterbrich bewusst die Spirale. Jedes Mal, wenn dein Kopf ein neues Horrorszenario aufmacht, sag dir: „Nein, das Spiel spiel ich nicht mit.“
• Lass Symptome oder Ängste einfach mal da sein, ohne sofort nach einer Antwort zu suchen.

2. Die Realität schlägt immer die Angst – wenn du sie zulässt

Viele hier haben schon zig ärztliche Untersuchungen, klare Diagnosen oder rationale Erklärungen bekommen – aber trotzdem hängen sie immer wieder in der Panik fest. Warum? Weil sie ihrer Angst mehr glauben als der Realität.

Die Lösung:
• Wenn du schon 10 Mal erfahren hast, dass nichts Schlimmes ist, dann akzeptiere es endlich.
• Behandel jede neue Angst nicht wieder wie einen frischen Notfall. Es ist nicht das erste Mal, dass du Angst hast – und noch nie ist dein Worst-Case eingetreten.

3. Du bist nicht “einfach so”, du machst dich so

Jeder, der sagt „Ich kann halt nicht anders“ oder „Ich weiß es ja, aber…“, hält sich selbst klein. Du hast dein Gehirn trainiert, so zu ticken – und du kannst es genauso gut wieder umlernen.

Die Lösung:
• Hinterfrage deine Gedanken statt blind in sie reinzugehen. Nur weil dein Kopf dir sagt „Vielleicht ist es doch was Ernstes“, heißt das nicht, dass es stimmt.
• Hör auf, Bestätigung für deine Angst zu suchen. Ob durch Google, Foren oder ständiges Nachfragen – du fütterst damit nur dein Angstmonster.
• Arbeite aktiv daran, Dinge auszuhalten. Ein Symptom zu haben, ohne es sofort abklären zu lassen. Eine Ungewissheit zu spüren, ohne sich in Panik zu stürzen. Das sind die Momente, in denen du deinem Gehirn neue Muster beibringst.

4. Angst wird stärker, wenn du dich nach ihr richtest

Jedes Mal, wenn du einer Angst nachgibst – indem du zum Arzt rennst, doch wieder googelst oder jemanden um Beruhigung bittest – verstärkst du das Muster. Dein Gehirn lernt: „Angst = Handlung nötig.“ Und so hält sich der Kreislauf am Leben.

Die Lösung:
• Erkenne, dass Angst nicht immer eine Handlung erfordert. Angst kann auch da sein und von allein wieder gehen.
• Wenn du immer wieder in dieselben Panikgedanken fällst, heißt das: Deine Strategie funktioniert nicht. Zeit für einen neuen Ansatz.

Fazit: Du kannst da raus – wenn du endlich konsequent umdenkst

Die, die es wirklich schaffen, aus dem Angst- und Grübelkreislauf auszubrechen, sind die, die ihre Gedanken nicht mehr für die Wahrheit halten. Die, die lernen, Ungewissheit auszuhalten. Die, die ihr Gehirn nicht weiter darauf trainieren, sich in Panik reinzusteigern.

Also frag dich selbst: Willst du das wirklich ändern?
Wenn ja, dann hör auf, immer wieder in die gleiche Spirale einzusteigen. Nimm die Angst nicht mehr so verdammt ernst – und dein Gehirn wird mit der Zeit lernen, dass sie es auch nicht ist.

03.03.2025 16:49 • 27.03.2025 x 34 #1


32 Antworten ↓


Bombastisch! Vielen Dank !

A


Raus aus der Angst - so schaffst du es!

x 3


Ganz, ganz lieben Dank

Wie du aufhörst, mit deinem eigenen Kopf zu diskutieren

Jeder kennt das: Ein beunruhigender Gedanke taucht auf – und statt ihn einfach als das zu sehen, was er ist (ein Gedanke), fängt eine endlose Diskussion im Kopf an.
• „Aber was, wenn es diesmal doch was Ernstes ist?“
• „Vielleicht übersehe ich ja etwas?“
• „Ich weiß, dass es irrational ist, aber was, wenn…?“

Und so beginnt das mentale Ping-Pong-Spiel zwischen Angst und Logik – und du steckst fest. Doch die Wahrheit ist: Dein Kopf wird immer eine neue Gegenfrage finden, solange du weiter mit ihm diskutierst.

1. Warum ist das so?

Dein Gehirn ist darauf trainiert, nach Lösungen für Probleme zu suchen. Das ist in echten Gefahrensituationen sinnvoll – aber in den meisten Fällen, in denen du dich selbst verrückt machst, ist das kein echtes Problem, sondern nur eine gedankliche Endlosschleife.

Jedes „Aber was, wenn…?“ fühlt sich wichtig an, weil dein Gehirn den Eindruck hat, dass es eine dringende Antwort braucht. Doch genau da liegt der Fehler: Du kannst nicht jedes „Was wäre wenn?“ zu Ende denken, weil es unendlich viele gibt.

2. Wie unterbricht man die Diskussion mit dem Kopf?

Statt dich auf die inhaltliche Ebene einzulassen (also auf die Fragen einzugehen), musst du auf die mechanische Ebene wechseln – also erkennen, dass dein Kopf gerade nur ein „Sorge-Spiel“ spielt.

Hier sind einige Sätze, die dich aus der Spirale holen können:
• „Ah, mein Gehirn spielt wieder das Angstspiel.“ Nicht auf den Inhalt eingehen, sondern den Mechanismus erkennen.
• „Das ist keine reale Gefahr, sondern nur ein Gedanke.“ Der Gedanke fühlt sichwichtig an, ist es aber nicht.
• „Ich werde jetzt nicht mit meinem Kopf diskutieren, weil das genau das Muster ist, das mich festhält.“ Wenn du nicht mitmachst, hat die Angst keinen Treibstoff.
• „Ich habe dieses Spiel schon 100 Mal gespielt und es ist nie was passiert.“ Dein Kopf führt dich zum immer gleichen Punkt – warum diesmal drauf reinfallen?
• „Es gibt hier nichts zu lösen.“ Dein Gehirn denkt, es muss ein Problem bearbeiten – das Problem existiert aber nur in deinem Kopf.

3. Der wichtigste Schritt: Aushalten, ohne nachzugeben

Dein Kopf wird versuchen, dich wieder reinzuziehen: „Ja, aber diesmal ist es anders!“ – Nein, ist es nicht.
„Aber ich muss doch sicher sein!“ – Nein, musst du nicht.

Jedes Mal, wenn du der Diskussion nicht nachgibst, trainierst du dein Gehirn um. Es lernt: „Oh, scheinbar ist das gar nicht so wichtig. Dann kann ich aufhören.“

Es fühlt sich anfangs unangenehm an – aber genau das ist der Beweis, dass du auf dem richtigen Weg bist. Nicht diskutieren, nicht nachgeben, einfach stehenlassen. Dann wird die Angst mit der Zeit von allein leiser.

Fazit: Du kannst das steuern – aber nur, wenn du aufhörst, mitzuspielen

Dein Kopf wird immer Argumente finden, wenn du ihn lässt. Aber du hast die Wahl: Gehst du jedes Mal drauf ein, oder erkennst du das Muster und beendest das Spiel?

Du wirst nicht durch Denken aus der Spirale rauskommen – sondern nur durch konsequentes Nicht-mehr-diskutieren.

Danke dir sehr! Das Ding ist bei mir, dass Gedanken so blitzschnell kommen, gar nicht klar zu denken und dann kommen innerhalb einer Sekunde die Symptome wie z.B. Adrenalinstöße. Um was es beim dem Gedanken handelte, kann ich dann gar nicht mehr sagen und dann auch nicht handeln. LG

@Sprotte Bitte keine individuellen Problemstellungen hier drunter hab ich im disclaimer extra drum gebeten.

@WayOut Oh, ja, stimmt, hatte ich verpeilt.

Zitat von WayOut:
Da ich selber mal dazu gehört habe hier aber tatsächlich täglich das selbe Muster von Angst lese, wollte ich hier mal kurz meine Gedanken und ...

Sehr gut formuliert und für viele hilfreich

Jedes Sensationssymptom macht Angst und jedes Mal denkt man (wie oben so schön beschrieben), DIESMAL muss es was schlimmes sein. Oftmals vergisst man, dass man jenes Symptom schon einmal hatte und oh Überraschung.... Man hat es überlebt
Mein Tipp zu der Thematik :Jedes Symptom im (Handy) Kalender vermerken, eventuell auch ein Vorrangeganges Ereignis dazu (z. B. Stress auf Arbeit, Streit mit Partner etc.). Dann das dazugehörige Gefühl mit aufschreiben.

Und dann kann man einfach per suchfinktion schauen, dass es schon einmal da war und auch wieder vergangen ist.

Alles worauf wir unseren Fokus setzen, vergrößert sich und wird zum Feind in unserem Kopf.

Symptome dürfen da sein, wir müssen nur lernen, diese zu akzeptieren, sie da sein zu lassen und sie als Sprachrohr unserer psyche über den Körper anzusehen.

@Benommen
Halte ich tatsächlich für wenig sinnvoll. Ich erkläre auch aus meiner Sicht warum:

1. Weil man dann schon wieder in die Beobachtung und Erklärung suchen geht

Und 2.

Zitat von Benommen:
Jedes Symptom im (Handy) Kalender vermerken, eventuell auch ein Vorrangeganges Ereignis dazu (z. B. Stress auf Arbeit, Streit mit Partner etc.)

Und wenn es kein voran gegangenes Ereignis gibt? Dann hat man wieder den Salat und ist der Meinung diesmal ist es doch der Hirntumor.

Dabei gibt es unzählige Symptome, die auch einfach so ohne ersichtlichen Grund auftreten. Ich möchte behaupten es ist sogar bei den meisten die Mehrheit der Symptome bzr körperliche Sensationen, die grundlos auftreten.

Daher halte ich persönlich das für eher gefährlich aber vielleicht hilft es dem ein oder anderen trotzdem. Danke für deinen Beitrag

Zitat von WayOut:
@Benommen Halte ich tatsächlich für wenig sinnvoll. Ich erkläre auch aus meiner Sicht warum: 1. Weil man dann schon wieder in die Beobachtung und ...

Danke für deine Meinung dazu.

Ich war in einer psychosomatischen tagesklinik und genau das Werkzeug wurde mir mit an die hand gegeben. Symptom, Auslöser, Gedanken /Emotionen.

Erst so konnte ich verschiedene Muster bei mir erkennen. Z. B. Spannungskopfschmerzen, Benommenheit etc.

Aber wenn der Beitrag nicht passt, kannst du ihn gern löschen lassen.

@WayOut Ganz genau! Bin sehr stolz auf dich. Das sind genau die richtigen Erkenntnisse und so hat es bei mir damals auch angefangen - sobald ich das geblickt habe hat die Recovery angefangen. Aber eine wichtige Sache fehlt da meiner Ansicht noch; Du musst die Angst vergessen. Nicht beabsichtigt aber diese Maßnahmen die du beschreibst, führen langfristig dazu, dass du „gelangweilt“ von deiner Angst bist. Du hast irgendwann keine Lust mehr dich Tag für Tag, Woche für Woche Monat für Monat damit zu beschäftigen. Wenn du, wie du es schon beschreibst, die Spirale durchbrichst und das verinnerlicht hast - wird dein Leben immer mehr an Bedeutung gewinnen und deine Angst kommt immer mehr in den Hintergrund. Zuerst hast mal stunden, dann tage, dann Wochen und irgendwann Monate nicht mehr dran gedacht. Plötzlich merkst du wie es dir gut geht, du fragst dich wann du das letzte Mal überhaupt etwas hattest. So war’s bei mir und ich stehe da und kann dir garnicht sagen wann genau ich mich das letzte Mal so wirklich damit beschäftigt habe

Die Gedanken sind definitiv richtig und es ist auch gar nicht so schwer sie zu verinnerlichen. Der Schlüssel ist, sich den Ängsten zu stellen. Du kannst und wirst dich nicht langfristig aus einer Angststörung „rausdenken“ können. Dein Gehirn spricht auf eine andere Weise als Wörter nämlich Erfahrungen. Das wichtigste - Triff auf die Realität und überzeuge dich von der Wahrheit. Blicke quasi deinem größten Schrecken ins Auge. Und dann lernt dein Gehirn wieder, dass es okay ist im Ungewissen zu sein. „Deine aktuelle Lage bringt dich vermutlich ja doch nicht um“

Beispiel; damals hatte ich Mega Atemprobleme, dachte ich kriege keine Luft. 24/7 damals wars echt kein gut Gefühl. Dann habe ich irgendwann gesagt „okay weißt du was, bringt it on Baby - Versuch mich doch kaputt zu machen wenn du’s wirklich kannst - und was war - ich hatte extrem Angst aber habe mich dennoch der Situation gestellt - und wer hat’s gedacht? Ich hab überlebt. Auf diese Weise habe ich dann irgendwann alles gemacht und irgendwann hat mich nichts mehr wirklich beeindruckt oder mir tatsächlich Angst gemacht. Außerdem langsam glaube ich, bei den über 100 verschiedenen Symptomen die ich damals hatte, wäre ich eh schon längst wo anders, wenn’s wirklich was schlimmes gewesen wäre

Also Leute - ich weis es ist schwer, glaubt mir ich war da. Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels.
Und du wayout - mach weiter so ️
Das einzige was ich dir jetzt noch ans Herz legen kann, ist aufzuhören dich im allgemeinen mit Angst und der ganzen Thematik zu beschäftigen. Das ist meistens immer der letzte Schritt kurz vor dem Wendepunkt

Wie du rasende Gedanken bremst

Kennst du das, wenn dein Kopf so schnell rattert, dass du gar nicht mehr richtig mitkommst? Gedanken rasen, überschlagen sich, du kannst sie kaum noch einzeln erfassen. Das passiert oft bei Angststörungen, Stress oder anderen psychischen Belastungen.

Warum passiert das?
Dein Gehirn ist im Dauer-Alarmmodus. Es scannt permanent nach Gefahren und produziert Gedanken am Fließband, weil es glaubt, ständig Lösungen finden zu müssen. Das Problem: Es gibt oft gar kein reales Problem – nur dein überaktives Nervensystem, das im Notfallmodus festhängt.

Was hilft?
1. STOPP-Signal setzen
Sag dir innerlich oder laut: „Stopp.“ Dein Kopf rast unkontrolliert los, weil du ihn lässt. Durch das bewusste Stoppen unterbrichst du das Muster.
2. Atmung als Anker nutzen
Atme ganz langsam und tief in den Bauch. Zähle beim Einatmen bis 4, halte kurz die Luft an, atme auf 6 aus. Das beruhigt dein Nervensystem und signalisiert: „Kein Notfall.“
3. Fokus auf etwas Reales lenken
Fang an, dich in der Gegenwart zu verankern:

• Was siehst du?
• Was hörst du?
• Was spürst du mit deinen Händen?

Dein Gehirn kann nicht gleichzeitig sinnliche Wahrnehmung und Gedankenkreiselaufrechterhalten.
4. Gedanken „herunterbrechen“
Wenn du den Eindruck hast, dass tausend Gedanken gleichzeitig da sind, sag dir:
„Einer nach dem anderen.“
Nimm ein Notizbuch oder eine App und schreibe einfach den ersten Gedanken auf, der dir greifbar erscheint. Oft siehst du dann erst, dass viele deiner Gedanken sich nur im Kreis drehen.
5. Bewegung nutzen
Wenn du gerade still sitzt und nur nachdenkst, verstärkt das den Gedankensturm. Steh auf, bewege dich, geh spazieren. Bewegung hilft dem Gehirn, den Notfallmodus zu verlassen.

Fazit:

Rasende Gedanken sind kein Zeichen dafür, dass du die Kontrolle verlierst – sondern dass dein Nervensystem im Stressmodus ist. Gib deinem Gehirn klare Stoppsignale, atme, lenke den Fokus um – und du wirst merken, dass sich das Chaos langsam beruhigt.

„Angst vorm Sterben, seltene Krankheiten übersehene Diagnosen – wie man aus der Spirale ausbricht“

Wer kennt es nicht? Ein Symptom taucht auf – und anstatt es einfach als normale Schwankung des Körpers abzuhaken, schaltet das Gehirn auf Alarm:
„Was, wenn es was Ernstes ist?“
„Was, wenn es eine seltene Krankheit ist, die keiner erkennt?“
„Was, wenn alle Ärzte etwas übersehen haben?“
„Was, wenn es das jetzt war und ich sterben muss?“

Der Kopf dreht durch, man landet wieder bei Google, wühlt sich durch Foren, sucht Bestätigung – aber egal, wie oft man beruhigt wird, das Gefühl bleibt.

Warum ist das so?

Das Problem ist nicht dein Körper – sondern dein Gehirn. Wenn du ständig nach Gefahren suchst, wirst du sie auch immer finden. Und je mehr du dich damit beschäftigst, desto fester brennt sich das Muster ein.

Du trainierst dein Nervensystem darauf, in Dauerpanik zu sein.
Du glaubst deiner Angst mehr als allen ärztlichen Untersuchungen.
Du hältst Ungewissheit nicht aus – und versuchst sie mit Kontrolle zu bekämpfen.

Aber die Wahrheit ist: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Und je mehr du versuchst, sie zu erzwingen, desto mehr wird die Angst dich im Griff haben.

Wie kommt man da raus?

1️⃣ Akzeptieren, dass Ungewissheit zum Leben gehört.
Du kannst noch so oft zum Arzt rennen – es wird nie den einen Befund geben, der dir für immer Sicherheit gibt. Die Lösung ist nicht mehr Kontrolle, sondern mehr Gelassenheit.

2️⃣ Verhalten ändern – nicht Angst nachgeben.
Jedes Mal, wenn du googelst, nach Beruhigung fragst, ins Forum schreibst, um dich von anderen co-regulieren zu lassen, oder einen neuen Arzt aufsuchst, sagst du deinem Gehirn: „Ja, da ist wirklich Gefahr.“

Nicht googeln.
Nicht ständig auf Symptome scannen.
Nicht immer ins Forum rennen, um Beruhigung von anderen zu bekommen.

Warum Co-Regulation (Forum, Google, Arztbesuche) nichts bringt:
• Es wirkt nur kurzfristig. Du beruhigst dich vielleicht für ein paar Stunden – aber spätestens beim nächsten Symptom geht das Gedankenkarussell wieder los.
• Du machst dich abhängig von externer Beruhigung. Solange du nur beruhigt bist, wenn jemand anders sagt „Ist nix!“, wirst du nie selbst lernen, mit der Unsicherheit umzugehen.
• Dein Gehirn lernt nicht, dass die Angst ungefährlich ist. Jedes Mal, wenn du Beruhigung suchst, trainierst du dein Nervensystem darauf, dass die Angst „gerechtfertigt“ ist – und hältst sie am Leben.

3️⃣ Den Gedanken hinterfragen.
„Ich könnte was Seltenes haben.“ Ja, und? Dann wärst du der erste Mensch, der durch Nachdenken eine Krankheit entdeckt hat, die 10 Ärzte übersehen haben? Unwahrscheinlich.
„Was, wenn es doch was Ernstes ist?“ Was, wenn nicht? Wäre das nicht genauso wahrscheinlich?
„Aber es fühlt sich schlimm an!“ Gefühle sind keine Fakten.

4️⃣ Symptome aushalten, ohne sie zu analysieren.
Jede körperliche Empfindung muss nicht sofort diagnostiziert und bekämpft werden. Lass Symptome einfach mal da sein, ohne sie zu bewerten. Oft lösen sie sich von allein auf – aber nur, wenn du aufhörst, ihnen so viel Bedeutung zu geben.

Fazit:

Die Angst vorm Sterben, vor seltenen Krankheiten oder übersehenen Diagnosen ist ein endloses Karussell – und der einzige Weg raus ist, es nicht mehr weiter anzutreiben. Es geht nicht darum, absolute Sicherheit zu haben, sondern darum, damit zu leben, dass es sie nicht gibt. Und wenn du das akzeptierst, wird die Angst leiser – nicht, weil du sie bekämpfst, sondern weil du ihr nicht mehr alles glaubst.

Zitat von WayOut:
„Angst vorm Sterben, seltene Krankheiten übersehene Diagnosen – wie man aus der Spirale ausbricht“ Wer kennt es nicht? Ein Symptom ...

Auf den Punkt gebracht. Allein schon das Lesen selbst katapultiert einen ins Hier und Jetzt.

Sollte sich jeder Ängstler jeden Tag - auch in Phasen, welche von kaum oder nur unterschwelliger Angst geprägt sind - ins Gedächtnis rufen. Am besten einen Ausdruck davon machen und an einen Ort festpinnen, wo man oft vorbeiläuft.

@Lerchen Danke für das Kompliment.
Ja ich habe mir sowas tatsächlich auf klebezettel geschrieben und überall hin geklebt. Insbesondere wo Panik vorprogrammiert war, zb am Klo, weil ich lange Probleme mit dem darm hatte. Und auch so überall in der Bude.

War das teilweise peinlich? Ja ‍️ aber es war mir egal, weil ich um jeden Willen da wieder raus wollte und da war es mir egal was andere davon denken was mir hilft. Aber ich hab tatsächlich fast nur Support bekommen

@WayOut interessant wäre auch, woher diese Ängste/Unsicherheiten kommen. Dann könnte man evtl auch an der Ursache arbeiten...

@Gaulin Das ist aber nix was man verallgemeinert in einem forum schreiben kann und dazu Ratschläge geben kann. Das gehört in eine Therapie und nicht in die Hände von Laien.
Weil je nachdem was da unter der Oberfläche schwelgt kann sowas böse triggern und wenn man dann keine person um sich herum hat die medizinisch ausgebildet ist kann das wirklich übel werden.
Daher gehe ich auf sowas hier nicht ein.
Sponsor-Mitgliedschaft

Zitat von WayOut:
Das ist aber nix was man verallgemeinert in einem forum schreiben kann und dazu Ratschläge geben kann

Ok sorry

Folgenden Beitrag hab ich vor einiger Zeit mal hier ins forum geschrieben. Bitte entschuldigt etwas das unsortierte, ich habe das Stumpf in mein Handy diktiert

Es geht um
- Warum die angst nicht einfach weg geht auch wenn wir sie so gern weg haben wollen
Und auch
- wie kann ich mein Gehirn denn wieder um trainieren, an was anderes zu denken?

Bitte vergesst nie: es ist ein LANGER(!) und harter weg. Immerhin hat man Wochen, Monate und Jahre saß Gehirn auf diesen alarmmodus selber trainiert. Und genauso hart wird es auch da wieder raus zu kommen. Von ich hab das jetzt zwei Wochen gemacht, hab immer noch Angst löst sich sowas leider nicht. Es DAUERT. Und man muss immer und immer und immer wieder sein Gehirn darin üben, dass angstgedanken in den Hintergrund rücken dürfen und gaaaanz langsam das rationale wieder überhand gewinnt. Und auch bei Rückschlägen (und ehrlich gesagt, davon wird es viele geben) nicht aufhören und denken mir hilft nichts.

Weil wenn du dir das selbst kang genug sagst glaubst du es irgendwann selbst genauso wie dass was mit dir nicht stimmt, du schwer krank bist und ähnliches :

das Problem ist, dass wir Hypochonder auch genauso wie andere psychisch erkrankten, oftmals viel zu Großschritt ich denken. Wir sind der Meinung, wir machen jetzt ein bisschen Therapie oder nehmen ein bisschen Tabletten und dann wird das schon weggehen. Wir setzen uns das Ziel: das soll weg sein.

und sind dann dauernd frustriert, dass das nicht funktioniert.
die Kunst ist es, zunächst einmal viel, viel klein strittiger zu denken: es soll ein paar Stunden erträglich sein.

das wäre so ein erster Schritt, der genauso gefeiert werden dürfte, wie wenn die übertriebene Angst weg wäre.

das ist nämlich der nächste Punkt, wir wünschen uns, die Angst wäre weg. Aber Angst ist etwas normales und vernünftiges. Was bei uns das Problem ist, ist übertriebene Angst.

übertriebene Angst kommt dadurch, dass du dein Gehirn nicht beschäftigst, sondern es so vor sich hin denken darf.
dein Gehirn macht nichts falsch, es macht das, wofür es konzipiert wurde: Denken.

wenn du deinem Gehirn aber nichts vernünftiges zu denken gibst, denkt es darüber nach, was du ihm beigebracht hast, zu priorisieren, nämlich Krankheiten.

also prinzipiell ist das am Ende nichts anderes, als ein erlernter Mechanismus, der wieder verlernt werden muss. Und das funktioniert am besten tatsächlich mit bewussten Denken.

du überlässt das Denken deinem Unterbewusstsein, was nicht wissen kann, dass das gerade Quatsch ist, worüber es nachdenkt. Weil dadurch, dass du es immer wieder in diese Richtung schubst, mit deinem Denken:
ist da nicht was...? Habe ich da nicht...? Das fühlt sich aber komisch an... Könnte das nicht sein, dass...

hast du dich und dein Gehirn selber darauf trainiert, über so etwas nachzudenken.

jetzt gilt es halt darum, dein bewusstes Denken wieder mit vernünftigen Dingen zu beschäftigen. Mit rationalen Dingen. Nicht mit hätte, könnte, wenn und aber.
und das halt leider relativ konsequent, weil du halt auch sehr konsequent dein Gehirn da drauf trainiert hast, in völlig falsche Richtungen zu denken. Und mindestens genauso lange dauert es jetzt, es wieder in die andere Richtung zu trainieren.

und dabei gibt es nun mal Fortschritte, aber auch genauso Rückschritte. Weil jedes Mal, wenn du auf diese Angst Gedanken wieder einsteigst, denkt dein Gehirn wieder du priorisiert sie und schlägt sie dir immer wieder vor. So wie du es ihm beigebracht hast.

aber es gibt Wege raus. Mir hat sehr geholfen: handeln, nicht denken!

also, wenn ich etwas habe, gehe ich zum Arzt, lasse es abklären und damit ist dann gut.
wenn der Arzt sagt, da ist nichts, dann ist da nichts. Und dann erkläre ich meinem Gehirn auch nicht Rational noch 200 mal, dass da nichts ist. weil du erklärst deinem Gehirn in dem Moment gar nichts, du gehst in eine Diskussion mit deinem Gehirn. Weil es immer fragen wird: ja, und was ist, wenn doch?

das ist eine niemals endende Spirale.
deswegen ist es wichtig, dein Gehirn wieder mit vernünftigen Dingen zu beschäftigen. Mir hat es zum Beispiel erst mal geholfen, irgendwelche Projekte zu planen. Selbst wenn diese komplett unrealistisch sind.
wichtig ist, deinem Gehirn erst mal einen anderen Weg zur Beschäftigung zu bieten, als Krankheiten.

ich habe zum Beispiel mit sowas blödem angefangen wie: wenn ich mir jetzt einen Camper Van kaufen würde, wie würde ich diesen ausbauen? Und das wirklich bis ins Klein Klein geplant. Ich habe Stunden nach passenden Waschbecken, Lichtschalter, Innen Verkleidungen und so weiter gesucht. So wie ich früher stundenlang nach Krankheiten gesucht habe.

natürlich funktioniert das nicht nach ein, zwei oder dreimal. Aber du wirst merken, wenn du da wirklich konsequent dran bleibst und auf jeden Angst Gedanken, der irrational ist, nicht weiter reagierst, sondern deinem Gehirn -ähnlich wie eine Lehrerin- immer wieder sagst:
hier spielt die Musik, Camper Van planen, nicht Zettelchen mit Krankheiten schreiben und durch den Klassenraum werfen.
dann wird das besser werden. Stell dir mal vor, eine Lehrerin würde jedes Mal mit jedem Schüler, der gerade irgendwas macht, was nicht zum Unterricht gehört, in die Diskussion gehen. Wie viel vernünftiger Unterricht würde dann noch gemacht werden?
Und genauso ist es mit deinem Gehirn auch, wenn du auf jeden deiner Gedanken, die irrational sind, eingehst. dann bleibt kein Raum mehr für vernünftige Gedanken.
dann bleibt kein Raum mehr für vernünftige Gedanken. am Anfang musste ich mir eben auch Schwachsinn ins Projekte wie diesen Camper van aussuchen, weil ich in meinem Leben überhaupt nichts anderes mehr kannte, als Angst, Sorge und Krankheiten. Ich hatte auch an nichts mehr Freude. Auch diese Planung von diesem campervan fand ich eigentlich komplett bescheuert, gerade weil ich ein sehr rationaler Mensch bin, der eigentlich nicht seine Zeit darin verschwendet, irgendwas zu planen, was niemals eintreffen wird. Musste dann aber am Ende doch selber lachen, weil ich meine Gedanken ja auch ewig mit irgendwelchen Krankheiten beschäftigt gehalten habe, die wahrscheinlich genauso- wenn nicht sogar noch weniger-realistisch waren, wie dieser Camper van.

und dann eben zusätzlich dieses Handeln, nicht denken. Einmal zum Arzt gehen, abklären lassen, und dann keinen Gedanken daran mehr zulassen. Nicht mit dem Schüler diskutieren, sondern dass Steuer ähnlich wie eine Lehrerin wieder in die Hand nehmen und wieder zurück auf das Wichtige beschränken.

Warum Medikamente allein nicht helfen warum die Angst trotz Therapie bleibt


Viele fragen sich: „Warum geht meine Angst nicht weg, obwohl ich Medikamente nehme?“ oder „Ich bin in Therapie, aber es wird einfach nicht besser – warum?“ Die Antwort ist simpel: Medikamente und Therapeuten sind nur Unterstützungen – die eigentliche Arbeit muss man selbst machen.

Warum helfen Medikamente nicht allein?

Medikamente können bestenfalls die Angstreaktion im Gehirn dämpfen, indem sie das Nervensystem beruhigen. Aber sie ändern keine Denkmuster. Die Art, wie du auf Symptome, Gedanken oder Situationen reagierst, bleibt genau dieselbe – nur mit etwas weniger Panikgefühl.

Wenn die alten Denk- und Verhaltensmuster weiterlaufen, verstärken sie sich trotz Medikamenten immer wieder. Das Gehirn bleibt im gleichen Angst-Kreislauf, nur mit leicht gedämpfter Intensität. Ohne bewusste Arbeit an diesen Mustern bleibt die Angst dauerhaft bestehen – mit oder ohne Medikamente.

Warum bleibt die Angst trotz Therapie?

Viele machen eine Therapie und wundern sich, warum die Angst nicht einfach „verschwindet“. Der Grund ist einfach: Therapeuten geben Werkzeuge – aber nutzen muss man sie selbst.
Wer nur zur Sitzung geht, dort brav zustimmt, aber das Gelernte im Alltag nicht konsequent anwendet, bleibt in der Angstspirale.

Therapie funktioniert nur, wenn man:
• Angst nicht mehr vermeidet, sondern bewusst durchsteht.
• Gelernte Techniken täglich anwendet – nicht nur, wenn es akut schlimm ist.
• Nicht auf „die perfekte Lösung“ wartet, sondern sich aktiv aus dem Muster rausarbeitet.

Die unangenehme Wahrheit: Niemand kann die Arbeit für dich machen

Weder Medikamente noch Therapeuten können die Angst für dich auflösen. Das Einzige, was wirklich hilft, ist konsequent das umzusetzen, was du in der Therapie lernst.

Wer immer wieder hofft, dass die Angst einfach „irgendwann von alleine verschwindet“, macht sich was vor. Der einzige Weg raus ist, aktiv neue Denk- und Verhaltensmuster zu etablieren – und das ist unbequem. Aber es ist auch der einzige Weg, der wirklich langfristig funktioniert.

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Dr. Christina Wiesemann
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