„Angst vorm Sterben, seltene Krankheiten übersehene Diagnosen – wie man aus der Spirale ausbricht“
Wer kennt es nicht? Ein Symptom taucht auf – und anstatt es einfach als normale Schwankung des Körpers abzuhaken, schaltet das Gehirn auf Alarm:
„Was, wenn es was Ernstes ist?“
„Was, wenn es eine seltene Krankheit ist, die keiner erkennt?“
„Was, wenn alle Ärzte etwas übersehen haben?“
„Was, wenn es das jetzt war und ich sterben muss?“
Der Kopf dreht durch, man landet wieder bei Google, wühlt sich durch Foren, sucht Bestätigung – aber egal, wie oft man beruhigt wird, das Gefühl bleibt.
Warum ist das so?
Das Problem ist nicht dein Körper – sondern dein Gehirn. Wenn du ständig nach Gefahren suchst, wirst du sie auch immer finden. Und je mehr du dich damit beschäftigst, desto fester brennt sich das Muster ein.
Du trainierst dein Nervensystem darauf, in Dauerpanik zu sein.
Du glaubst deiner Angst mehr als allen ärztlichen Untersuchungen.
Du hältst Ungewissheit nicht aus – und versuchst sie mit Kontrolle zu bekämpfen.
Aber die Wahrheit ist: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Und je mehr du versuchst, sie zu erzwingen, desto mehr wird die Angst dich im Griff haben.
Wie kommt man da raus?
1️⃣ Akzeptieren, dass Ungewissheit zum Leben gehört.
Du kannst noch so oft zum Arzt rennen – es wird nie den einen Befund geben, der dir für immer Sicherheit gibt. Die Lösung ist nicht mehr Kontrolle, sondern mehr Gelassenheit.
2️⃣ Verhalten ändern – nicht Angst nachgeben.
Jedes Mal, wenn du googelst, nach Beruhigung fragst, ins Forum schreibst, um dich von anderen co-regulieren zu lassen, oder einen neuen Arzt aufsuchst, sagst du deinem Gehirn: „Ja, da ist wirklich Gefahr.“
Nicht googeln.
Nicht ständig auf Symptome scannen.
Nicht immer ins Forum rennen, um Beruhigung von anderen zu bekommen.
Warum Co-Regulation (Forum, Google, Arztbesuche) nichts bringt:
• Es wirkt nur kurzfristig. Du beruhigst dich vielleicht für ein paar Stunden – aber spätestens beim nächsten Symptom geht das Gedankenkarussell wieder los.
• Du machst dich abhängig von externer Beruhigung. Solange du nur beruhigt bist, wenn jemand anders sagt „Ist nix!“, wirst du nie selbst lernen, mit der Unsicherheit umzugehen.
• Dein Gehirn lernt nicht, dass die Angst ungefährlich ist. Jedes Mal, wenn du Beruhigung suchst, trainierst du dein Nervensystem darauf, dass die Angst „gerechtfertigt“ ist – und hältst sie am Leben.
3️⃣ Den Gedanken hinterfragen.
„Ich könnte was Seltenes haben.“ Ja, und? Dann wärst du der erste Mensch, der durch Nachdenken eine Krankheit entdeckt hat, die 10 Ärzte übersehen haben? Unwahrscheinlich.
„Was, wenn es doch was Ernstes ist?“ Was, wenn nicht? Wäre das nicht genauso wahrscheinlich?
„Aber es fühlt sich schlimm an!“ Gefühle sind keine Fakten.
4️⃣ Symptome aushalten, ohne sie zu analysieren.
Jede körperliche Empfindung muss nicht sofort diagnostiziert und bekämpft werden. Lass Symptome einfach mal da sein, ohne sie zu bewerten. Oft lösen sie sich von allein auf – aber nur, wenn du aufhörst, ihnen so viel Bedeutung zu geben.
Fazit:
Die Angst vorm Sterben, vor seltenen Krankheiten oder übersehenen Diagnosen ist ein endloses Karussell – und der einzige Weg raus ist, es nicht mehr weiter anzutreiben. Es geht nicht darum, absolute Sicherheit zu haben, sondern darum, damit zu leben, dass es sie nicht gibt. Und wenn du das akzeptierst, wird die Angst leiser – nicht, weil du sie bekämpfst, sondern weil du ihr nicht mehr alles glaubst.