Hallo @schroxel,
jetzt muss ich mich für die lange Reaktionszeit entschuldigen... Ich war ein paar Tage im Krankenhaus und hatte mit dem EM-Rentenantrag zu kämpfen. Ich versuche mal deine Fragen zu beantworten.
Zitat von schroxel: Hast du deine Copingstrategien während deiner Reha oder in Therapie gelernt?
Irgendwie eine Mischung aus beidem, aber den größten Teil habe ich in einer ambulanten Therapie erlernt. Der Weg zu einem (für mich passenden) Therapeuten war jedoch schwierig und langwierig. Insbesondere die dissoziative Problematik wurde lange übersehen. Geholfen hat mir aber auf jeden Fall der Austausch mit Betroffenen (die ich zur Reha kennengelernt habe) und der Zwischenschritt über eine Körpertherapie.
Zurzeit bin ich in einer tiergestützen Traumatherapie und die Therapeutin vereint glücklicherweise die unterschiedlichen Fachbereiche (Ergo-, Körper- und Traumatherapie) in einer Person.
🙂 Der Nachteil - ich muss selbst zahlen...
Zitat von schroxel: Wenn ich es korrekt verstanden hab, wäre eine Rehaklinik für mich allerdings nicht geeignet, weil ich nicht berufstätig bin, sondern eigentlich geplant war, dass ich im kommenden Semester meinen Masterabschluss mache Die Auswahl potenziell in Frage kommender Fachkliniken ist für mich jedenfalls eher dürftig nachvollziehbar, da für mich auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist, ob ich stationär aufgenommen werden kann, oder versehentlich mal wieder an eine Rehaklinik geraten bin
Vielleicht hast du oder ggf. auch jemand anderes ja eine Empfehlung?
Das würde ich pauschal nicht so sehen. Die Reha hat auch zum Ziel, die Erwerbsfähigkeit zu erhalten. Der erste Schritt ist meiner Meinung nach aber eine stationäre Therapie (sofern man einen Platz bekommt). Ich kann in erster Linie nur Klinken empfehlen, die dissoziative Symptome im Rahmen von Traumatisierungen behandeln.
Klinik am Waldschlösschen (Dresden)
Asklepios Fachklinikum Göttingen (Niedersachsen)
Ich finde den Ansatz von Dr. Jochen Peichl (früher OA der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik am Klinikum Nürnberg) bzgl. der Teilearbeit auch sehr gut. Heute hat er eine eigene Praxis und bietet Ego-State-Therapie an. Vermutlich für dich durch die räumliche Distanz eher uninteressant, aber eventuell könnte er Dir jemanden in deiner Nähe empfehlen. Sein Konzept hat mir für mein Verständnis sehr geholfen. Über die Therapie kann ich allerdings nichts sagen, da gibt es hier im Forum andere User, die mit der Teilearbeit mehr Erfahrung haben als ich.
Es gibt ein Thema von @Grace_99 zur innere Kind Arbeit (
depressionen-f99/innere-kind-arbeit-benoetige-rat-tipps-t112719.html). Das innere Kind ist auch einer von vielen Teilen unserer Persönlichkeit.
Zitat von schroxel: Bin jedenfalls maximal überfordert. Die Erleichterung, die die Diagnose letzte Woche mit sich gebracht hat, war irgendwie nur von kurzer Dauer, da ich nun gar nicht weiß, wie es weitergehen soll und ich auch weder tatsächliches Verständnis in meinem direkten Umfeld erfahre, weil niemand das Störungsbild kennt geschweige denn versteht und ich persönlich auch keine Person kenne, die meines Wissens davon betroffen ist.
Das kenne ich leider auch sehr gut...
😒 Ich habe auch über ein Jahr gebraucht, um für mich zu erkennen und anzunehmen, dass ich zwar das Überleben, aber nie das Leben gelernt habe und sich jetzt grundlegende Dinge in meinem Leben verändern werden. Zum Besipiel war ich bis zu meiner Erkrankung in einer gehobenen Führungsposition eines großen Konzerns und jetzt habe ich Rente beantragen müssen (das aber nur am Rande) ... Es kann auch nur jemand verstehen, der sich aktiv und detailliert mit dem Thema auseinandersetzt oder es aus eigenem Erleben kennt. Ein weiterer Punkt ist, dass es immer noch ein Tabuthema in der Gesellschaft und mit vielen Vorurteilen besetzt ist. Leider hat auch ein Teil der Psychotherapeuten kein Verständnis bzw. Erfahrungen im Umgang mit mehreren Persönlichkeitsanteilen bei Patienten. Ich kenne persönlich auch nur wenige Personen, die dieses Problem haben bzw. es mir gegenüber geäußert haben...
Ich wünsche Dir erstmal gute Besserung, viel Kraft die anfängliche Berg-und-Tal-Fahrt zu überstehen und das Du schnell Hilfe für deine Problematik findest.