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Hallo

Ich hatte vor ungefähr 1 Monat (ich bin weibl. und 45) bei einem Wochendende in London eine Panikattake. Wir haben den Geburtstag von meinen Partner ausgiebig gefeiert und hatte leider am Vorabend einige Espresso Martinis zu viel. Am nächsten Tag, als wir unterwegs waren hatte ich auf einmal eine schlimme Panikattake als ich alleine im Taxi saß und mein Herz begann auf einmal zu rasen und mir wurde ganz warm auf der Brust. Ich hatte extreme Angst, dass es vielleicht ein Herzinfarkt sein konnte und als ich den Hotel wurde ich immer unruhiger. Zum Glück beruhigte sich alles nach einiger Zeit, aber es war eine sehr schlimme Erfahrung für mich und ich musste die nächsten Tage noch damit Kämpfen, dass ich relativ geschwächt war und eine depressive Verstimmung hatte. 1 Woche danach gingen wir dann auf eine längere Asienreise. Die ersten 2 Tage in China hatte ich noch ein immer wieder leichtes Zurückkommen von Angstzuständen und Herzrasen, die dann aber weggingen. Ich besuchte einen TCM Arzt der mir irgendwelche Kräuter verschrieb, die ich dann auch trank und auf den Inseln, wo wir uns dann schlussendlich erholten, war alles weg. Jetzt, zurück zu Hause, kann ich sagen, dass ich keine Panikattake mehr hatte, allerdings merke ich, dass ich ab und zu mich leicht überfordert fühle und manchmal ängstliche Gedanken haben die dann wieder verschwinden. Ich denke, vielleicht spielen auch die Hormone verrückt und ich stecke in einer Pre-Menopause? Ich merke, dass mir Atemübungen gut tun. Jedes zippen im Körper, bringt mich zum nachdenken und ich merke, dass es hin und wieder mal pickst, komisch zu beschreiben, aber so, als hätte ich Verspannungen bzw. einen Muskelkater. Ich würde mich freuen, mit euch Erfahrungen auszutauschen, da mir das alles recht neu ist. Danke!

25.03.2025 11:25 • 25.03.2025 x 1 #1


4 Antworten ↓


Zunächst mal ist es natürlich völlig normal, dass sich so ein Vorfall im Gedächtnis einbrennt, und die entscheidende Frage im Raum steht, bekomme ich das jetzt öfter. Diese Angst beschäftigt das Nervensystem, und sorgt für ständige Beschäftigung mit dem Thema.

Super natürlich, wenn man dann bereits über Strategien verfügt, sich wieder runter zu fahren. Wer bereits über Atemübungen verfügt, und diese dann auch noch spürbar wirken, der hat einen riesen Vorteil. Ich selbst habe viel über Entspannung gelernt, bin aber leider nicht so gut darin, dass diese im Ernstfall unmittelbar anschlägt.

Mir scheint hier aber eine gute Chance zu bestehen, dass sich das in dieser Heftigkeit gar nicht wiederholen wird. Es gibt dafür eigentlich keinen Grund. Und desto mehr Zeit nun vergeht, desto kleiner sollte eine Angst vor einem Rückfall werden. Zumal die Panik wahrscheinlich schon ein paar mal versucht hat, sich wieder in den Vordergrund zu schieben, aber auf halber Strecke nicht durchkam. Und dann ist die Überforderung ja eigentlich gar keine, wie man dann hinterher feststellen darf.

Natürlich sagt sich das ziemlich leicht, aber ich würde versuchen diesen Verlauf in Optimismus umzuwandeln, dass ich die Geschichte ganz schön gut in den Griff bekommen habe.

A


Panikattake - würde gerne Erfahrungen austauschen

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Danke für Deine Antwort. Das klingt doch alles relativ positiv für mich. Ich habe auch das Gefühl, dass es mit der Zeit besser wird und ich auch nun weiß, dass es wieder vergeht, beruhigt mich sehr. Ich werde mich weiterhin auf Entspannungstechniken wie Yoga und Meditationen konzentrieren, ich denke, dass diese einen sehr positiven Effekt auf mich haben

@Coconut79

Hey, danke für deinen offenen Beitrag – und Respekt, dass du da so reflektiert drauf schaust!

Klingt für mich ziemlich typisch für eine erste Panikattacke: Du warst unterwegs, hattest wenig Schlaf, Alk. + Koffein drin (Espresso Martinis – mieser Kombo-Booster für das vegetative Nervensystem), dann allein im Taxi = Kontrollverlust, fremde Umgebung… zack, Nervensystem im Alarmmodus.

Was du danach beschreibst – diese diffuse Überforderung, das Nachdenken über jedes körperliche Zwicken, das kurz aufflammende Herzrasen – ist auch ganz klassisch. Das nennt man Erwartungsangst oder auch „Paniknachbeben“: Der Körper hat einmal die Notfallzentrale aufgemacht – und ist jetzt erstmal misstrauisch, ob er nicht nochmal Alarm schlagen muss. Das geht vielen so nach der ersten Attacke.

Dass du dich danach geschwächt und etwas „depressiv verstimmt“ gefühlt hast, ist auch keine Seltenheit. Der Körper verbraucht bei so einem Adrenalinschub gefühlt alle Ressourcen. Und das kann dann auch mal zwei, drei Wochen nachwirken.

Auch interessant: Viele berichten, dass sich hormonelle Umstellungen (z. B. rund um die Prämenopause) massiv auf das Nervensystem auswirken können – vor allem auf Stimmung, Reizbarkeit und eben auch Ängste. Wenn du das Gefühl hast, dass da was im Körper durcheinanderkommt, lohnt es sich auf jeden Fall mal mit der Gyn drüber zu sprechen.

Und ja – alles im Körper wird plötzlich beäugt. Ein Pieksen im Bein? „Was, wenn Thrombose?“ Ein Stechen in der Brust? „Herzinfarkt incoming!“ Das ist leider eine der hässlichen Begleiterscheinungen von Angststörungen: Der Körper wird nicht mehr als vertrauter Verbündeter erlebt, sondern wie ein Ticking Time Bomb. (Spoiler: Ist er nicht. Der Körper hat einfach nur grad das Vertrauen in dein Nervensystem verloren – und du in ihn.)

Was hilft?
– Atemübungen wie du sie schon machst (super!)
– Nervensystem beruhigen durch Routine, Schlaf, Bewegung
– Nicht alles, was im Körper passiert, hat direkt eine schlimme Ursache
– Panik ist wie ein Sturm: laut, heftig, aber irgendwann zieht er weiter.
– Und Austausch mit anderen, wie du’s hier suchst – weil: Du bist sowas von nicht allein damit.

Wenn du magst, erzähl gern mal, ob du vorher schon mal mit Stress, Angst oder Überforderung zu kämpfen hattest – das erste Auftreten wirkt oft wie „aus dem Nichts“, aber oft brodelt da vorher schon einiges.

Und: Du hast sie überstanden. Die Panik. Sie hat dich nicht umgebracht – nur wahnsinnig genervt. Und das ist ’ne gute Basis, ihr beim nächsten Mal mit mehr Gelassenheit zu begegnen.

Es tut richtig gut zu lesen, dass das, was ich gerade erlebe, gar nicht so ungewöhnlich ist und dass mein Körper einfach noch in Alarmbereitschaft ist. Deine Erklärung zum „Paniknachbeben“ trifft es genau – ich merke, wie ich seitdem viel aufmerksamer auf jedes kleine körperliche Signal reagiere und es sofort hinterfrage. Das kann ziemlich anstrengend sein, aber allein zu wissen, dass das eine normale Reaktion ist, nimmt schon ein bisschen die Schärfe raus.

Deine Tipps klingen super hilfreich, vor allem das mit der Routine und der Bewegung. Ich merke jetzt schon, dass mir feste Strukturen und bewusstes Runterkommen guttut.

Auf jeden Fall danke dir nochmal für deine Zeit und deine Worte – das hat mir wirklich geholfen!

Aja, ich bin bzw. war eine völlig nicht-ängstliche Person und besonders viel Stress hatte ich eigentlich auch nicht. Allerdings ist unsere geliebte Katze kurz vor der Panikattacke (ca 3 Wochen zuvor) plötzlich verstorben, was mich sehr getroffen hat und mich noch immer traurig stimmt. Noch dazu kommt, dass wir uns gerade in einem IVF Prozess befinden, und ich hier auch einige Enttäuschungen hatte (wobei ich das immer ganz gut wegstecken konnte). Vielleicht sind das einige Dinge, welche sich im Laufe der Zeit angesammelt haben? Könnte ja sein




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Dr. Christina Wiesemann
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