So kann es nicht weiter gehen. Mein Sohn wird mittlerweile viel von seiner Oma betreut, weil ich es einfach nicht schaffe, meine Angst, meine körperlichen Beschwerden mit meinem liebsten Kind zu vereinbaren. Ich habe bereits Erziehungsexperten der Zeitschrift Eltern angeschrieben, in mehreren Foren Hilfe gesucht, mit den Kindergärtnern beratschlagt. Wirklich helfen konnten Sie alle nicht.
Meine Situation:
Ich bin seit 10 Jahren Agoraphobiker. Ich habe eine Verhaltenstherapie hinter mir, die auch nach zwei Jahren nicht im Ansatz Erfolge brachte, danach war ich für 8 Wochen in einer Tagesklinik und bis vor einem halben Jahr bei einem Therapeuten, der die Therapie nun beendete, weil ich es nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen mit heftigen NW nicht schaffte, Medikamente (AD) anzusetzen. Ganz zu schweigen von unzähligen Büchern, alternativen Methoden, Heilpraktikern, Klopftherapie, Suggestion etc pp.
Es gab gute Phasen, aber die waren meist kurzweilig und bestimmte Grenzen eines normalen Lebens konnte ich nie sprengen. Heute habe ich eine starke generalisierte Angst, bezogen auf meinen Körper und dessen Beobachtung. Habe eine Panikstörung, die mich immer wieder sehr mit spontanen Attacken zu Hause quält und eine Agoraphobie, weswegen ich schwer lange Zeit, oder weit weg von zu Hause sein kann. Am allermeisten macht mir aber meine starke psychosomatik zu schaffen. Damit meine ich nicht die Symptome im Rahmen der direkten Angst/Panik, sondern ich habe einfach ständig Bauchschmerzen, Magenentzündungen, Infekte, qualvolle Übelkeit, Mattigkeit etc etc. Dass ist mittlerweile mein größtes Problem, da sich so nicht trainieren lässt, nichts aufbauen, da immer wieder Rückschläge. Ich kann nun mal mir vorgenommene Sachen nicht unmsetzen, wenn ich mal wieder Fieber habe und drei Tage mit heftigen Magenkrämpfen im Bett liegen muss.
Ich befürchte, dass ich um einen Klinikaufenthalt nicht herum kommen werde
Ich und mein Lukaskind
Mein Schatz ist gerade vier Jahre alt geworden. Nach seiner Geburt (Hormone?) ging es mir so gute wie nie. Ich war völlig angstfrei und ohne jegliche Beschwerden. Nach dem Abstillen traf mich aber alles härter als je zuvor. In den letzten zwei Jahren hat sich trotz Therapien alles zugespitzt. So übernahm nach und nach meine Schwiegermutter immer mehr Betreuung. Sie hat sich sogar beruflich umorientiert, um meinen Sohn als Tagesmami zu betreuen.
Mein Kind fühlt sich dort wohl und geborgen, aber er hat ein großes Bedürfnis nach mir und seinem Papa (der viel arbeitet). Ich habe es mir wirklich nicht leicht gemacht und lange bis zur Erschöpfung gekämpft, um alles noch selbst zu scahffen, bis meine Befürchtungen es geht meinem Sohn damit nicht so gut, wie Kindern von normalen Eltern mich gezwungen haben, die Betreuung aus den Händen zu geben. Ich habe immer gekämpft und therapeutische Hilfe in Anspruch genommen, aber bisher hatte ich vor einer vollstationären Klinik zu sehr Angst.
Um zu verstehen, wie perfide die Situation ist, muss ich folgendes beschreiben: ich habe die Ängste, weil mich alles Verbindliche unter Druck setzt. ALLES, wirklich ALLES was ich nicht jeder Zeit beenden/verlassen/ abbrechen kann, sei es ein wichtiges Telefonat, ein Treffen mit Freunden (selbst wenn sie Bescheid wissen und versprechen nicht böse zu sein, wenn es doch nicht geht) oder sogar duschen mit Haare wachsen. Immer, wenn es mir nicht gut geht, dann kann ich all diese Dinge nicht tun, weil ich Angst bekomme, dass meine Bauchweh eskallieren, ich dann nicht verbergen kann, was los ist und was auch immer TROTZDEM durchhalten muss.
Nun liebe ich mein Kind über alles. Ich liebe es, Zeit mit ihm zu verbingen. Er ist das Beste in meinem Leben. Aber grausamerweise ist hier der Druck am schlimmsten, weil ich ihn am wenigsten merken lassen darf, dass alles in mir von Angst bestimmt ist. Weil ER die größte Verbindlichkeit ist. Vor ihm kann ich nicht einfach die Tür zu machen und mich zurück ziehen. Vor ihm kann ich einen Ausflug nicht einfach abbrechen, denn dann wäre er traurig und enttäuscht und ich bringe es nicht übers Herz. Ich traue mich nicht mal Freunden zu sagen, dass ich gerne ins Bett möchte, wenn sie noch spät Abends zu Besuch sind, oder es mir schlecht geht. Ich kann einfach nicht. Also quäle ich mich und mache einfach keine Treffen mehr aus.
Bei meinem Sohn kann ich es am aller allerwenigsten. Ich beherrsche mich, versuche normal zu sein, mir nichts anmerken zu lassen. Das kostet soviel Kraft, dass ich kaum Zeit mit ihm verbringen kann. Aber die Alternative kann ich ihm einfach nicht antun. Ich kann nicht jeden Tag sagen ich hab dies und dass und ich kann ihm, einen kleinen Jungen, der Urvertrauen und Vertrauen ins Leben braucht auch meine Angst nicht zumuten. Bisher vertraute ich darauf, dass die Methode ihn loszulassen und gleichzeitig versuchen gesund zu werden und daran zu arbeiten, das richtige ist.
Aber langsam muss ich versuchen, beides zu vereinbaren- irgendwie. Es kann nicht sein, dass mein Kind wenig Zeit mit mir verbringen darf kann, OHNE zu wissen warum. Vielleicht denkt er, ich habe ihn nicht lieb!?
Andererseits fragt er eh oft, ob ich krank bin, bringt mir Gesund mach Geschenke von Spaziergängen mit und ich will nicht, dass er sich noch mehr um eine kranke Mutter sorgen muss. Im Moment läuft der Tag so:
Aufstehen, nach einer fast schlaflosen Nacht, weil mich bis spät Abends meist Übelkeit und Bauschmerzen quälen, oder Panik. Mich zusammen reißen, die Angst vor dem Tag, vor neuen Schmerzen herunterschlucken und fröhlich mein Kind fertig machen. Oberste Priorität: mein Kind mit viel guter Laune und Liebe in den Tag begleiten.
Sobald er mit Papa in den Kiga fährt, lege ich mich noch einmal hin, weil es mir schlecht geht, schlafe eine halbe Stunde und habe Angst, dass mir vor dem Mittagessen wieder irgendwelche körperlichen Probleme dazwischen kommen.
Mittagessen. Versuche, etwas zu kochen. Weiß, dass ich jeder Zeit Bescheid sagen könnte, dann würde mein Kleiner bei Oma essen. Aber ich will es schaffen, weil ich weiß, Lukas möchte nach Hause. Das gleiche Spiel geht wieder los, Zähne zusammen beißen- mal mehr, mal weniger.
Nachmittags geht mein Kind dann zu Oma. Währenddessen versuche ich, einen halbwegs normalen Tag zu gestalten, gehe mit dem Hund, räume auf. Oft geht es mir gerade gegen Abend wieder extrem schlecht, sodass ich lange mit mir ringe, ob ich das Abendritual durchstehe. Besonders schlimm ist, dass ich vorher genau abwägen muss, was ich schaffen kann, weil ich nie, wenn mein Kind erst mal da ist sagen könnte, nun holt Oma Dich noch einmal ab. Dann wäre mein Schatz traurig, würde es nicht verstehen.
Wenn ich es nicht schaffe, dann wird Lukas drüben hingelegt und Papa klaut ihn später aus seinem Bettchen. Danach geht der Tag wieder von vorne los.
Typische Szene:
Lukas kommt herein gestürmt, ich liege mit heftiger Übelkeit im Bett, die mir immer eine Sch... Angst macht. Ich rede ganz fröhlich, bis ich es vor Panilk nicht mehr aushalte, dann sage ich sowas wie Oma will unedbingt noch ein Haus mit Dir bauen, haste Lust? Und mein Süßer hat natürlich Lust und hüpft vergnügt mit Oma davon. Sobald sie aus der Tür sind bricht es total aus mir heraus, ich weine, hyperventiliere etc.
Ich weiß nicht mehr weiter. Sowieso in vieler Hinsicht nicht. Es tut so weh, mein Kind gehen zu lassen, aber ich muss an ihn denken und daran, dass er ein schönes Leben hat. Hat eine Mami, oder auch jeder andere einen Rat, wie ich besser mit all dem umgehen kann?
07.09.2011 22:19 • • 13.09.2011 #1